Feast! Spot the difference – 1

Fest! Finde den Unterschied – 1

Have you ever looked closely at 17th century still lifes and all that glorious food painted with deft brushstrokes? The culinary delights make my mouth water every time I encounter one of these paintings in a museum or book. If you prefer an intellectual puzzle instead of pure visual pleasure the painter´s choice of victuals can provide that too. Christian iconography seems to be all-encompassing. For example, fruit with small blemishes can be read as a hint that time stops for no one. But if you really need a reminder of the fleetingness of life look at the cheeses, hams and pies. Some artists must have returned to their larders time after time to pick up a particularly impressive wheel of cheese or the latest purchase of meat, when they received commissions in quick succession. Wedges are cut off cheeses. Hams turn grey. Pies dwindle in size and spill their stuffing onto the plate. And yet it seems to be the same foodstuffs, albeit slightly changed and in different paintings.

That gave me the idea for an experiment of my own. I decided to take pictures of a still life with sweet food in the process of being eaten. I made a cake, invited friends, composed a still life and got my camera ready. Tea was served in modern cups, we stuffed ourselves with cake and I played with my props intermittently.

How do small changes in the placement of objects affect the composition as a whole? Is it important to achieve visual ballance or is a haphazard distribution of things more striking? In the weeks to come I will show you some photos of the series and you will be able to decide for yourself.

Still life with sweet food and coffee-service. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice.

Fest! Finde den Unterschied – 1

Haben Sie sich jemals das herrliche, mit geschicktem Pinselstrich festgehaltene Essen auf Stillleben des 17. Jahrhunderts genauer angesehen? Mir läuft jedes Mal, wenn ich eines dieser Gemälde in einem Museum oder Buch sehe, angesichts all der kulinarischen Köstlichkeiten das Wasser im Mund zusammen. Wenn Sie statt purem Augenschmaus ein intellektuelles Rätsel bevorzugen, können die vom Maler ausgewählten Lebensmittel auch dieses bieten. Die christliche Ikonographie ist allumfassend. Früchte mit kleinen fauligen Stellen und Flecken können zum Beispiel als Hinweis, dass die Zeit für niemanden still steht, gelesen werden. Aber wenn Sie wirklich daran erinnert werden müssen, wie flüchtig das Leben sein kann, schauen Sie sich die Käse, Schinken und Pasteten an. Einige Künstler dürften immer wieder in ihre Vorratskammer gegangen sein, um einen besonders stattlichen Käse oder das zuletzt gekaufte Fleisch ins Atelier zu holen, wenn die Aufträge für Bilder rasch aufeinander folgten. Vom Käse werden Stücke geschnitten, das Fleich wird grau. Pasten werden teilweise aufgegessen, sodass ihre Füllung auf den Teller fließt. Es scheint als handle es sich immer um dieselben Nahrungsmittel und Gerichte, auch wenn sie in leicht veränderter Darstellung auf unterschiedlichen Gemälden begegnen.

Das brachte mich auf eine Idee für ein eigenes Experiment. Ich beschloss ein Stillleben mit süßen Speisen zu fotografieren, während die Leckereien nach und nach aufgegessen werden – also einen fortschreitenden Prozess zu dokumentieren. Ich backte einen Kuchen, lud Freunde ein, komponierte ein Stillleben und brachte meine Kamera in Position. Tee wurde in modernen Tassen serviert, wir stopften uns mit Kuchen voll und ich spielte zwischendurch mit meinen Requisiten.

Wie beeinflussen geringfügige Änderungen in der Platzierung von Objekten die Gesamtkomposition? Ist es wichtig optische Ausgewogenheit zu schaffen oder sind mit willkührlichen Anordnungen der Dinge die besseren Effekte zu erzielen? In den folgenden Wochen werde ich Ihnen einige Fotos aus der Serie zeigen und sie können sich eine eigene Meinung bilden.

The ingenious dodo

Der erfinderische Dodo

What do stuffed dodos and austrian archaeologists have in common? The cute flightless birds are already extinct, indigenous archaeologists are an endangered species. If current trends continue they will both soon be relics.

With that in mind I designed my second horizontal wallpaper and another booklet. What if the last of the dodos had been caught in a time warp? Finally back in our time it could have come across a crashed aeroplane hidden in the jungle. Sick of being earthbound and more intelligent than ever due to mysterious circumstances, the dodo used a propeller and some other mechanical parts to build itself a flying contraption. „Impossible! Hubris! Poppycock!“ you will object. Really? Here it jumps confidently off a cliff. Will the dodo be able to fly?

Cover of the booklet "Gegen die Schwerkraft". | Der Einband des Leporellos "Gegen die Schwerkraft".
Hopelessly optimistic the dodo attempts the impossible. The cover of the booklet „Against gravity“ | Hoffnungslos optimistisch versucht der Dodo das Unmögliche. Der Umschlag des Büchleins „Gegen die Schwerkraft“.
The book "Gegen die Schwerkraft". | Das Buch "Gegen die Schwerkraft".
Fully extended the accordion book measures 95 x 11 cm. | Voll ausgezogen ist der Leporello stattliche 95 cm lang, aber nur 11 cm hoch.
The other side of the leporello. | Die Rückseite des Leporellos.)
Once again I did not write a story for lack of time. | Schon wieder hatte ich keine Zeit eine Geschichte zu schreiben.
Crazy wallpaper. | Verückte Tapete.
The second horizontal wallpaper I designed with the aim to boost my well-being in a rather cheerless office.| Die zweite horizontale Tapete, die ich entwarf, um mein Wohlbefinden in einem recht freudlosen Büro zu fördern.

Der erfinderische Dodo

Was haben ausgestopfte Dodos und österreichische Archäologen gemeinsam? Die herzigen flugunfähigen Vögel sind bereits ausgestorben, heimische Archäologen sind eine gefährdete Art. Wenn sich derzeitige Trends fortsetzen, werden beide bald nur noch Relikte sein.

Mit diesem Hintergedanken entwarf ich meine zweite horizontale Tapete und ein Büchlein. Was wäre, wenn der letzte Dodo in eine Zeitverschiebung geraten wäre? Zurückgekehrt in unsere Zeit hätte er zufällig die Reste eines abgestürzten Flugzeugs im Urwald finden können. Weil er ein Leben am Boden satt hatte und er dank mysteriöser Umstände mit mehr Intelligenz gesegnet war als jemals zuvor, baute sich der Dodo kurzerhand aus einem Propeller und einigen mechanischen Teilen eine Flugmaschine. „Unmöglich! Welch´ Anmaßung! Blödsinn!“ werden Sie einwenden. Wirklich? Here springt er voller Selbstvertrauen von einer Klippe. Wird es ihm gelingen zu fliegen?

Colour Bliss #3

Farbenfreude #3

Inspiration can be found in unlikely places. I am drawn to surfaces with peeling paint. From a purely visual standpoint the multiple layered mess on doors, window shutters, outdoor furniture or the hulls of boats is often quite attractive and stimulating. The example below has graced my inspiration board for quite some time and proved ideal as a starting point for Colour Bliss #3 – for once I was working in reverse. The colours reminded me of gorgonzola, Art Deco bathrooms and misty winter mornings.

You may have noticed that the stripes of my Colour Bliss palettes vary in number and thickness. Each colour chart is unique. Finding a rhythm for the placement of stripes is just as important as the chosen colours. Ultimately I aim to create a mood. To me winding yarn across small cardboard rectangles means to paint in wool.

Picture of peeling paint. My Color Bliss palette. | Foto abblätternder Farbe. Meine Farbzusammenstellung.
Peeling paint and the palette I created. | Abblätternde Farbe und die von mir gestaltete Farbkarte.

P. S. for interested knitters: I chose Karen Noe Shetland 100% uld in shades 4162, 003 and Jamieson´s Shetland Spindrift in shades 104, 567, 8449, 9386.

The exterior cladding of NEMO Science Museum in Amsterdam. Scales of a rainbow trout. | Die Außenverschalung von NEMO Science Museum in Amsterdam. Schuppen einer Regenbogenforelle.
Blackboard outside a pub. Feathers of a heron. | Die Tafel eines Pubs. Reiherfedern.
Ornamental gate, Wellington Arch, London. Wave. | Ornamentales Tor, Wellington Arch, London. Welle.
Shadow of a tree. Fish on ice. | Schatten eines Baumes. Eisgekühlte Fische.

Farbenfreude #3

Manchmal lässt sich Inspiration an den seltsamsten Orten finden. Mich zieht es zu Oberflächen mit abblätternder Farbe. So richtig schön heruntergekommene Türen, Fensterläden, Gartenmöbel oder Bootsrümpfe mit vielen kaputten Farbschichten können oft ausgesprochen attraktiv und stimulierend sein. Natürlich nur als visueller Eindruck, an das Wiederinstandsetzten solcher Objekte mag ich gar nicht denken. Das Beispiel weiter oben hing lange Zeit auf meiner Pinwand und war Ideal als Ausgangspunkt für Colour Bliss #3. Ausnahmsweise habe ich von der anderen Seite, also ausgehend vom Foto, gearbeitet. Die Farben erinnerten mich an Gorgonzola, Art Deco Badezimmer und nebelige Wintermorgen.

Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass sich die Streifen meiner Colour Bliss Farbzusammenstellungen in Anzahl und Dicke unterscheiden. Jede Farbkarte ist einzigartig. Es ist ebenso wichtig einen Rhythmus für die Positionierung der Streifen zu finden, wie die richtigen Farben auszuwählen. Letztendlich versuche ich eine Stimmung einzufangen. Garn um die kleinen Pappendeckelrechtecke zu wickeln, ist für mich wie malen mit Wolle.

P. S. für alle, die gerne stricken: Ich habe Karen Noe Shetland 100% uld in den Farben 4162, 003 und Jamieson´s Shetland Spindrift in den Farben 104, 567, 8449, 9386 verwendet.

The noble stalk

Der noble Stängel

Poor asparagus destined for dinner! I could not leave it alone in its last hours, it was far too beautiful. Last saturday the sun was beating down relentlessly and I was disinclined to go for a long walk. For a change, I had nothing else to do. So, play time …

We take asparagus for granted, but for centuries it was a coveted delicacy. White asparagus was preferred. Gardeners did their best and kept the pampered plants under ceramic cloches to prevent them turning green. (You can read more about how to keep asparagus in the dark here.) Asparagus was not only eaten with gusto, but painted with almost equal enthusiasm. Many still lives with asparagus in place of pride have found their way into museums. Mine never will, but it was fun to take the pictures.

Asparagus sculpture. Not to be taken seriously. | Spargelskulptur. Nicht Ernst zu nehmen.
Still life with asparagus and bewildered butterfly. | Stillleben mit Spargel und verwirrtem Schmetterling.

Der noble Stängel

Armer, für das Mittagessen bestimmter Spargel! Ich konnte ihn in seinen letzten Stunden nicht in Ruhe lassen, er war einfach zu hübsch. Die Sonne brannte vergangenen Samstag gnadenlos vom Himmel und ich hatte wenig Lust auf einen langen Spaziergang. Zur Abwechslung gab es auch nichts anderes zu tun. Damit bot sich eine gute Gelegenheit ein bisschen zu spielen.

Für uns ist Spargel nichts besonderes, deshalb vergessen wir gerne, dass er Jahrhunderte lang eine begehrte Delikatesse war. Allerdings galt dies vor allem für weißen Spargel. Gärtner taten ihr Bestes und stülpten Glocken aus Keramik über die verhätschelten Pflanzen. (Hier können Sie mehr darüber lesen, wie man Spargel im Dunkeln hält.) Spargel wurde nicht nur mit Begeisterung gegessen, sondern auch gerne gemalt. Auf so manchem Stillleben setzte ein Maler ein Bündel des zarten Gemüses gekonnt in Szene. Das beweisen zahlreiche Bilder, die sich in den Beständen von Museen erhalten haben. Meine Stillleben werden es nie in ein Museum schaffen, aber es hat Spaß gemacht, sie zu fotografieren.

Into the woods!

Auf in den Wald!

Here is another type of paper peepshow, this time with an accordion-style body. The little pocket theaters became popular in the 1820s. You can read more about the history and construction of paper peepshows here. Inspired by the marvellous examples in the collection of the Victoria & Albert Museum, London, I decided to create one of my own.

The first question that arose was: To draw or not to draw? Collage is a lot faster, so collage it was. Happily sorting trees, figures and sundry accessories I thought about possible stories. I had enough material for the scenery of five panels, a back-scene and the cover. Lots of trees and bushes meant the action was going to take place in a wood. And there was this intriguing male tied to a tree, clearly in distress … So, here it goes:

A pocket theater, 11 x 9,6 x 1,7 cm. What tale will unfold? | Ein Taschentheater, 11 x 9,6 x 1,7 cm. Welche Geschichte wird wohl erzählt?
The scene is set, the curtain goes up. | Die Bühne ist vorbereitet. Der Vorhang geht hoch.
The dog was the only witness. | Der Hund war der einzige Augenzeuge.

„Help! I implore you, good ladies, set me free!“ sounds a feeble cry from behind a bush.
„Did you hear that, Helen?“ says one lady to the other.
„Yes, I think it came from over there. Oh, look! Let´s go and rescue the poor man.“
Meanwhile a little deeper into the woods a man and a woman are arguing:
„I told you she was not to be trusted. You should not have placed the valuables in the basket she dropped down on a rope, before she lowered the rope-ladder.“
„And how, pray, was I supposed to catch and climb said ladder one handed? You took your time tieing that cad up! And where was the backpack you were supposed to bring, when we needed it?“
„But you said, you wanted to put the loot in the bag you are wearing beneath your petticoats!“
„You Idiot, the silver plates he brought for the picknick would have been far too heavy to carry that way.“
„His purse wasn´t though. There was no need to drop it into the sack als well!“

Bitterly bickering the two thieves are withdrawing from the scene of crime.
And on the horizon their lucky driver in her getaway-balloon goes up, up and away …

Making paper peepshows is a bit like building a stage set. | Ein Tunnelbuch zu bauen ähnelt der Gestaltung eines Bühnenbildes.

Auf in den Wald!

Eine andere Art der Peepshow aus Papier ist das Tunnelbuch mit ausziehbaren Seitenteilen, die einem Akkordeon gleichen. Die kleinen Taschentheater wurden in den 1820er Jahren populär. Über Geschichte und Bauweise der zusammenfaltbaren Guckkastenbücher können Sie hier mehr lesen. Inspiriert von den herrlichen Exemplaren in der Sammlung des Victoria & Albert Museums, London, beschloss ich selbst ein Tunnelbuch zu bauen.

Die erste Frage war: Zeichnen oder nicht zeichnen? Collage geht viel schneller, damit war die Entscheidung gefallen. Während ich glücklich Bäume, Figuren und alle möglichen Accessoires sortierte, überlegte ich, welche Geschichte ich erzählen könnte. Ich hatte genug Material für fünf Kulissenbilder, den Hintergrund und das Cover. Das Geschehen würde im Wald stattfinden, da jede Menge Bäume und Büsche zur Verfügung standen. Und da war auch noch dieser rätselhafte, an einen Baum gefesselte Mann, der sich eindeutig in Schwierigkeiten befand … Also, los geht´s!

„Hilfe!“ Meine Damen, ich beschwöre Sie, befreien Sie mich!“ tönte es schwach hinter einem Busch hervor.
„Hast Du das gehört, Helen?“ fragte eine der Damen.
„Ja, ich glaube der Ruf kam von da drüben. Ach, schau mal! Lass´ uns den armen Kerl retten!“
Ein wenig tiefer im Wald geraten sich zur selben Zeit ein Mann und eine Frau in die Haare.
„Ich habe doch gesagt, dass wir ihr nicht vertrauen können! Du hättest die Wertsachen nicht in den Korb, den sie noch vor der Strickleiter an einem Seil herunterließ, legen dürfen!“
„Und wie, bitte, hätte ich die besagte Leiter mit nur einer Hand fangen und hinaufklettern sollen? Du hast ewig gebraucht den Typ an den Baum zu binden. Und wo war der Rucksack, den du hättest bringen sollen, als wir in brauchten?“
„Aber Du hast gesagt, Du willst die Beute in die Tasche, die Du unter den Unterröcken trägst, stecken!“
„Du Idiot! Die Silberteller, die er für das Picknick mitgebracht hat, wären viel zu schwer gewesen, um sie so zu transportieren!“
„Seine Börse war´s nicht! Du hättest sie nicht auch in den Sack werfen müssen!“
Im bitteren Streit entfernen sich die beiden Diebe vom Ort des Verbrechens.
Und am Horizont schwebt ihre glückliche Fahrerin in ihrem Fluchtballon höher, höher und hinfort …

Peeping Tom

Voyeur

„Gentlemen and, of course, ladies! May I present the great innovators, the masters of pleasure, accomplished in lost techniques: Gretchen and Max! Come and watch them disporting themselves. Discover their secrets and enrich your experience! One look just a penny, 5 pounds for the show! Don´t be shy! Oh, come on, dear lady, there is no reason for moral outrage. It is a completely natural and wholesome act. Look! The fair maiden in the front row is not even blushing!“

A simple box with a poster announcing the show performed within. | Eine schlichte Schachtel mit einem Programposter.

Peepshow. Featuring Gretchen and Max was the second object I made with the material gained by cutting up 18th century erotic prints. (You can read about how I came into their possession and the fate of the book here.) I imagined a distopian fun fair for grown-ups held at night on short notice appropriating unused space like the huge parking lots next to supermarkets. A raised boardwalk could link the rear loading doors of cargo trucks giving access to their commodious interiors housing all kinds of entertainments – from bars and kitchens to peepshows and gaiming tables. Rows of containers rented as storage space I saw in American movies somehow came into the visual equasion too. But unlike those, the fair would be gone in the morning.

Join the lady and take a peek! | Gesellen Sie sich zu der Dame und spechteln Sie mit!
The leaf, placed for modesty´s sake, is not part of the original artwork. | Das Originalkunstwerk ist weniger züchtig, es kommt ohne Blatt aus.
Mood lighting. Ornamental windows puncture the ceiling. | Stimmungsvolles Licht. Ornamentale Fenster durchbrechen die Decke.

Voyeur

„Meine Herren, und natürlich Damen! Darf ich vorstellen: Die großen Erneuerer, die Meister des Vergnügens, versiert in verloren geglaubten Praktiken – Gretchen und Max! Treten Sie näher und beobachten Sie, wie die beiden es treiben. Entdecken Sie ihre Geheimnisse und werden Sie an Erfahrung reicher! Ein Blick nur ein Cent, fünf Euro für die Show! Keine Scheu! Ach, kommen Sie meine Dame, es gibt wirklich keinen Grund sich moralisch zu entrüsten. Der Akt ist vollkommen natürlich und gesund für Leib und Seele! Schauen Sie nur! Das hübsche Mädchen in der ersten Reihe errötet nicht einmal!“

Peepshow. Featuring Gretchen and Max war des zweite Objekt, das aus den zerschnippelten erotischen Drucken des 18. Jahrhunderts entstand. (Wie ich zu diesen kam und über das Schicksal der Bücher können Sie hier nachlesen.) Ich habe mir einen distopischen Rummelplatz für Erwachsene vorgestellt, der sich nächtens – nach sehr kurzer Ankündigung – ungenutzten Raum, wie die Parkplätze bei Supermärkten, zunutze macht. Ein hölzerner Steg könnte die Ladetüren am hinteren Ende von LKW´s verbinden und deren geräumige Innenräume allerlei Unterhaltungsangebote beherbergen: Bars, Küchen, Peepshows, Spieltische … Irgendwie musste ich auch an Reihen von als Stauraum vermieteten Containern, wie sie manchmal in amerikanischen Filmen zu sehen sind, denken. Anders als diese, wäre der Jahrmarkt am Morgen wieder verschwunden.

Strawberry Season

Erdbeersaison

Do you like strawberries? I do and – lucky me! – solitary market stalls selling locally grown strawberries are popping up all over Wien, sometimes in the oddest places. On weekends I like to roam the outskirts of the city and when the opportunity presents itself, I buy a basket of fruit from one of these street vendors. Strawberries sold at this time of the year seem to be smaller than their precocious cousins imported from Spain, but at least they haven´t lanquished for hours in the cargo hold of an aeroplane. Someday I have to check whether there are actually strawberry fields in Wien. There are plenty in the east of Austria.

I enjoy playing with my food more than eating it and most strawberries are quite attractive. Therefore they have to model, before they are sliced, smothered in yoghurt and devoured without mercy.

A quick search in my archive yielded two still lifes.

Still life with strawberries, book and tulips. | Stillleben mit Erdbeeren, Buch und Tulpen.
The last tulips and the first strawberries. | Die letzten Tulpen und die ersten Erdbeeren.
Still life with strawberries, glasses and hamper. | Stillleben mit Erdbeeren, Gläsern und Picknickkorb.
Preparations for a picknick. Who can resist strawberries and something bubbly? The delicious fruit didn´ t make it into the hamper. Greedy me! | Vorbereitungen für ein Picknick. Wer kann schon Erdbeeren und etwas spritzigem mit vielen Bläschen wiederstehen? Die köstlichen Früchte haben es nicht in den Korb geschafft. Ich Gierschlund!

Erdbeersaison

Mögen Sie Erdbeeren? Ich mag sie recht gern und – was für ein Glück! – es erscheinen derzeit wieder einsame Marktstände, die hiesige Erdbeeren verkaufen, im Wiener Straßenbild, zum Teil an recht eigenartigen Orten. Ich gehe am Wochenende gerne in den Wiener Außenbezirken spazieren und wenn ich zufällig einen dieser Straßenhändler entdecke, kaufe ich ein Körbchen der süßen Früchte. Die saisonalen Erdbeeren scheinen ein bisschen kleiner zu sein als ihre frühreifen Cousins aus Spanien, aber zumindest mussten sie nicht Stunden im Laderum eines Flugzeugs verbringen. Vielleicht sollte ich mir einmal Zeit nehmen und versuchen herauszufinden, ob es auf Wiener Stadtgebiet tatsächlich Erdbeerfelder gibt. In Ostösterreich findet man sie recht häufig.

Ich genieße es ja mehr mit meinem Essen zu spielen, als es tatsächlich zu konsumieren. Da Erdbeeren recht attraktiv sind, müssen sie also zuerst Modell stehen, um nach getaner Arbeit klein geschnipselt, in Yoghurt ertränkt und gnadenlos verputzt zu werden.

Zwei Stillleben habe ich auf die Schnelle in meinem Archiv gefunden.

Colour bliss #2

Farbenfreude #2

Yea, it is installment time! Here is another shade card I created after a long nerve-fraying day in the office. Undoubtably I was sorely in need of chocolate, because usually I don´t go for brown and beige. However, perhaps my choices were due to colour backlash. Archaeologists use soil colour charts devised for soil scientists to determine and describe the colour of pottery finds. The results are a string of words/letters/numbers bordering – for the uninitiated – on the arcane (e. g. „Surface: outside 10YR 5/1, inside 10YR 6/2“) and severe eye-strain from staring at tiny squares of shades of brown held against a shard coloured a similar boring brown.
And look what I found perusing my holiday snaps! A picture of a tray of mock-up sweets, taken on a visit to a fleamarket in Paris.

Fake chocolates and the palette I created. | Pralinen-Imitate und meine Farbkarte.
Fake chocolates and the palette I created. | Pralinen-Imitate und meine Farbkarte.

Would you like to create your own palettes/shade cards? Here are a few tips:
It may sound shallow, but do not think too much. Don´t follow any rules or dos and don´ts you may have been taught in school or by reading magazines. Just look, relax and go with the flow. Be spontaneous, experiment. There is no right or wrong. Nobody is judging. You can ponder and intellectualize later, if you are so inclined and have created a shade card, for example while trying to find matching pictures.

Inspired yet? Here are a few more pictures featureing neutral colours and yellow. Have fun!

Petals of a rose. Rust and peeling paper. | Blütenblätter einer Rose. Rost und abblätterndes Papier.
Close-up of a wooden board. Still life with lace, artificial flower and old wooden spools. | Detail eines Holzbrettes. Stillleben mit Spitzen, Kunstblume und alten hölzernen Spulen.
Peeling paper. Mushrooms. | Abblätterndes Papier. Pilze.
A window with shutters closed. Top of a lemon tart. | Fenster mit geschlossenen Fensterläden. Der gebräunte Gipfel eines Zitronentörtchens.

P. S. for interested knitters: I chose Karen Noe Shetland 100% uld in shades 0830, 3092, 0802 and Jamieson´s Shetland Spindrift in shades 880, 141 and 182.

Farbenfreude #2

Ja, es ist Zeit für eine Fortsetzung! Nach einem langen, zermürbenden Tag im Büro entstand eine weitere Farbkarte. Eigentlich mag ich Braun und Beige nicht sonderlich, zweifelsohne träumte mein Unterbewusstsein von Schokolade. Vielleicht handelte es sich aber auch um eine Art Farbrückkoppelung. Archäologen verwenden Farbkarten, die zur Bestimmung der Farbe von Bodenproben entwickelt wurden, um die Farbe von Keramikfunden zu bestimmen und zu beschreiben. Das Ergebnis ist einerseits eine Kombination aus Worten, Buchstaben und Zahlen, die für Fachfremde vermutlich eigenartig bis geheimnisvoll anmutet (z. B. „Oberfläche: außen 10YR 5/1, innen 10YR 6/2“), andererseits überanstrengte Augen, weil man stundenlang, konzentriert vergleichend, kleine braune Quadrate an ähnlich braune Scherben hält. Da ist es schon vergnüglicher, unter den Urlaubsfotos einen Schnappschuss von einem Tablett mit Pralinen aus Gips zu finden, der bestens zu der von mir zusammengestellten Farbpalette passt!

Vielleicht haben Sie jetzt Lust bekommen, eigene Farbpaletten/-karten zu entwickeln? Hier einige Tipps. So oberflächlich das auch klingen mag, denken Sie dabei nicht zu viel! Folgen Sie keinen starren Regeln oder Richtlinien, was man tun oder nicht tun darf, wie sie gerne in der Schule eingebläut und von Magazinen vermittelt werden. Schauen Sie einfach, entspannen Sie sich, lassen Sie sich treiben! Spontanität und experimentieren ist angesagt! Es gibt kein richtig oder falsch. Niemand bewertet Sie. Später ist noch genug Zeit, um zu Grübeln und sich intelektuellen Gedankenspielen hinzugeben, falls Sie dazu neigen und eine Farbkarte angefertigt haben, z. B. bei der Jagd nach passenden Fotos.

Schon inspiriert? Hier sind noch einige Bildpaare, die in neutralen Farbnuancen und Gelbtönen schwelgen. Viel Spaß!

P. S. für alle, die gerne stricken: Ich habe Karen Noe Shetland 100% uld in den Farben 0830, 3092, 0802 und Jamieson´s Shetland Spindrift in den Farben 880, 141 und 182 verwendet.

White walls are not for me

Weiße Wände mag ich nicht

„Death of a benevolent moose“ began life as a horizontal strip of wallpaper. After the department I work for moved to new premises, I was given a small room of my own. Alas, my desk is facing a wall and cannot be moved. At first, whenever I lifted my gaze from the computer screen in front of me, my eyes came to rest on a – slightly grubby – white wall. One day I could not bear it any longer. A bare white wall not 80 cm in front of my nose was and is unacceptable. I need variety, beauty and colour to keep my spirits up. So, what to do? I decided to create something charming to look at, that would make me smile. An unusually sized poster (3,5 x 0,7 m) was the solution to my visual quandary. A strip of paper can be easily fixed to a wall without doing any harm.

Crazy wallpaper. | Verückte Tapete.
Much better than a white wall! I admit, it is a bit girlish, but flowers are always nice to look at and I have a soft spot for moose/elk. Is the muzzle of a moose just as soft and velvety as that of a horse, I wonder? | Sieht doch besser aus als eine weiße Wand! Zugegeben, es wirkt ein wenig mädchenhaft, aber Blumen sind immer nett anzusehen und ich habe eine Schwäche für Elche. Ich frage mich, ob die Schnauze eines Elches genauso weich und samtig wie die eines Pferdes ist?

The print proved to be rather ephemeral, it faded. To help me remember the decoration in all its pink glory, I made a book. Naturally. It is a simple leporello with a hard cover. I got carried away and added even more flowers, lengthening the strip considerably. The skull on the cover hints at the fate of the moose gazing benevolently out of the sea of flowers.

Cover of the leporello. | Der Einband des Leporellos.
I was not consciously thinking of paintings by Georgia O´Keeffe, honestly. | Ehrlich, jede Ähnlichkeit mit Gemälden von Georgia O´Keeffe ist blanker Zufall.

Unfortunately I never found the time to write the story of the friendly moose, who ended up dead. Was he petted to death? Did someone kill him for his succulent flesh? Or did he die a natural death after a long and happy life? We will never know.

The book "Death of a benevolent moose". | Das Buch "Death of a benevolent moose".
Fully extended the leporello measures 95 x 11 cm. | Voll ausgezogen ist der Leporello stattliche 95 cm lang, aber nur 11 cm hoch.
The other side of the leporello. | Die Rückseite des Leporellos.
More flowers instead of a story. | Noch mehr Blumen statt einer Geschichte.

Weiße Wände mag ich nicht

„Death of a benevolent moose“ war ursprünglich eine horizontale Tapete. Nach dem Umzug der Institution, für die ich arbeite, erhielt ich ein eigenes kleines Zimmer. Es ist wirklich nett, aber leider steht mein Schreibtisch vor einer Wand und kann nicht umgestellt werden. Die ersten Wochen ruhten meine Augen also jedes Mal, wenn ich den Blick von meinem Computerbildschirm hob, auf der schmuddelig-weißen Wand. Eines Tages reichte es mir. Eine schmucklose weiße Wand 80 cm vor meiner Nase zu haben, war und ist unakzeptabel. Ich brauche Abwechslung, Schönheit und Farbe, um einigermaßen bei Laune zu bleiben. Also, was tun? Ich entschloss mich etwas charmantes zu entwerfen, etwas das mir gelegentlich ein Lächeln entlockte. Die Lösung meines optischen Dilemmas präsentierte sich in Form eines Posters mit ungewöhnlichem Format (3,5 x 0,7 m). Ein Papierstreifen lässt sich leicht (und reversibel!) an der Wand befestigen, ohne dieser Schaden zuzufügen.

Der Ausdruck erwies sich allerdings als leicht vergänglich und wurde mit der Zeit immer blasser. Als Erinnerung an die wilde Dekoration in all ihrer pinken Pracht, fertigte ich ein Buch an. Natürlich! Es handelt sich um einen einfachen, hart gebundenen Leporello. Allerdings konnte ich mich nicht beherrschen und es kamen noch einige – ähem, verdammt viele – Blumen dazu. Dadurch wurde der Streifen um einiges länger. Der Schädel am Cover lässt schon das Schicksal des Elches, der wohlwollend aus dem Blumenmeer blickt, erahnen.

Leider habe ich nie die Zeit gefunden, die Geschichte des freundlichen Elches, der zu Tode kam, zu schreiben. Wurde er ins Jenseits gestreichelt? Hat ihn jemand wegen seines saftigen Fleisches umgebracht? Oder starb er nach einem langen, glücklichen Leben eines natürlichen Todes? Wir werden es nie erfahren.

Kitchen fury

Küchenärger

Cooking is something I do, because I must. I bake gritting my teeth. I detest kitchens. Why anybody would want to live in one is beyond me. An open kitchen cum dining-/livingroom is my worst nightmare. In my opinion it is ridiculous to see kitchen gadgets as status symbols. A fridge and a stove are necessities, not my heart´s desire. And I definitely don´t fancy a pleasant chat with my guests accompanied by the sound of a dishwasher. No, no, no!

My ideal kitchen would be tucked out of the way, at the end of a long corridor, far, far away from my precious library. The room should have a sturdy door, kept closed at all times, and a large window to stare out of when forced to do tedious household chores. To cap it all with a fantasy: The kitchen ought to be self cleaning.

Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.

Oops, here I am ranting about cooking and kitchens although I intended to write about the hidden beauty of vegetables. Take a humble cabbage, for example. I wouldn´t dream of eating it. No, I bought it solely for its visual qualities. After I was done ogling it to my heart´s content, I handed the choice specimen to a friend, who actually appreciates the taste.

Cabbage. | Kohl.
Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.
Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.
Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.
Cabbage. | Kohl.

Küchenärger

Ich koche, weil ich muss. Ich backe zähneknirschend. Ich verabscheue Küchen. Es ist mir unverständlich, dass jemand freiwillig in einer Küche wohnen will. Wohnküchen sind mir daher ein Graus. Welch ein Nachtmahr! Eine Küche ist ein Wirtschaftsraum, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem finde ich es lächerlich, dass Küchengeräte als Statussymbole angesehen werden. Ein Kühlschrank und ein Herd sind eine Notwendigkeit, nicht mein Herzenswunsch. Und ich bin definitiv nicht daran interessiert, dass ein erbauliches Gespräch mit meinen Gästen von den Geräuschen des Geschirrspülers untermalt wird. Nein, nein und nochmals nein!

Meine ideale Küche läge versteckt am Ende eines langen Ganges, weit, weit weg von meiner geliebten Bibliothek. Der Raum sollte eine kräftige, gut abgedichtete Tür haben, die immer geschlossen bleibt, und ein großes Fenster, damit ich bei der Erledigung der langweiligen Haushaltsarbeit zumindest einen Blick ins Freie werfen kann. Vor allem (und hier begeben wir uns endgültig in das Reich der Fantasie): Die Küche sollte selbstreinigend sein.

Oh, weh! Ich hatte eigentlich nicht vor, über Küchen und Kochen zu schimpfen, sondern wollte über die versteckte Schönheit von Gemüse philosophieren. Nehmen Sie zum Beispiel einen bescheidenen Kohl. Nicht im Traum würde ich daran denken, ihn zu essen. Nein, ich kaufe Kohl lediglich wegen seiner optischen Qualitäten. Nachdem ich dieses besonders appetitliche Exemplar ausgiebig von allen Seiten beäugt hatte, reichte ich es an eine Freundin weiter, die den Geschmack von Kohl tatsächlich mag.