Missing in Amazonia

Vermisst im Amazonas

Oh, for the joy of flea markets! More by accident than by design my best friend Sigrid and I began to collect portrait photographs of women, mostly dating from the 1860s to the 1930s. Currently our joint collection comprises about 3800 photos providing us with an excellent database not only for the study of fashion, jewellery and accessories but also of poses and changing studio furniture.

Sometimes a name or a date is given on the back of a picture, much to our delight. A simple „grandma“ or „aunt“ on the other hand may have been of significance to the sitter´s family and friends, but leaves us rather clueless.
The overwhelming majority of these forgotten women, their portraits no longer cherished by their descendents, remains anonymous. Who where they? How did they live? What were their interests and did they have a chance to pursue them? Were they given an opportunity to train in a profession or to pursue at least informal studies? (Not likely). Were they content with their fate?

We will never know. So let me tell stories instead.

A telegram! Anna heaved a sigh of relief. Ever since her beloved aunt Käthe, the best milliner in town, had started to develop a conscience the family worried. Last spring all of a sudden auntie refused to use feathers and body parts of exotic birds for her extravagant creations. She had had an epiphany, was the only explanation given to shocked customers, employees and family members. A few weeks later aunt Käthe had packed her bags and booked passage to Amazonia in order to found a society for the protection of birds, rally supporters and attempt to put an end to the needless slaughter of winged wildlife.
Anna opened the telegram with a sense of foreboding. Reading the few words she realized her worst fear had come true: Her aunt was missing.

Vermisst im Amazonas

Oh, was sind Flohmärkte doch für eine Freude! Vor einigen Jahren begannen meine beste Freundin Sigrid und ich, mehr aus Zufall denn Entschlossenheit, historische Porträtfotografien von Frauen zu sammeln. Die Bilder datieren großteils in die Zeit zwischen 1860 und 1940. Mittlerweile ist unsere Sammlung auf rund 3800 Fotos angewachsen und bietet eine ausgezeichnete Datenbasis, um Mode, Schmuck, Accessoires, unterschiedliche Posen und Veränderungen in der Ausstattung der Studios zu erforschen.

Manchmal findet sich auf der Rückseite des Bildes ein Name oder ein Datum, sehr zu unserer Freude. Die Beschriftung „Großmutter“ oder „Tante“ konnte (hoffentlich!) von Familienmitgliedern und Freunden der Porträtierten entschlüsselt werden, uns lässt sie hingegen ahnungs- und ratlos zurück.
Die überwiegende Mehrheit dieser vergessenen Frauen bleibt anonym, selbst für ihre Nachfahren waren ihre Porträts nicht mehr von Interesse. Wer waren diese Frauen? Wie haben sie gelebt? Welche Interessen hatten sie und konnten sie ihnen nachgehen? Erhielten sie eine Berufsausbildung oder konnten sie wenigstens durch informelles Lernen Wissen erwerben? (Unwahrscheinlich). Waren sie mit ihrem Schicksal zufrieden?

Wir werden es niemals wissen. Also lassen Sie mich stattdessen Geschichten erfinden.

Ein Telegramm! Anna seufzte erleichtert. Seitdem ihre geliebte Tante Käthe, die beste Hutmacherin der Stadt, begonnen hatte, ein Gewissen zu entwickeln, sorgte sich die ganze Familie. Von einem Tag auf den anderen weigerte sich Tantchen vergangenen Frühling völlig überraschend, Federn und Körperteile exotischer Vögel für ihre extravaganten Kreationen zu verwenden. Sie hatte eine Offenbarung gehabt, erhielten geschockte Kunden, Angestellte und Familienmitglieder als einzige Erklärung. Wenige Wochen später hatte Tante Käthe ihre Koffer gepackt und eine Reise ins Amazonasgebiet gebucht, um dort eine Gesellschaft für den Schutz von Vögeln zu gründen, Unterstützer um sich zu versammeln und dem sinnlosen Abschlachten geflügelter Wildtiere ein Ende zu bereiten.
Anna beschlich ein ungutes Gefühl als sie das Telegramm öffnete. Beim Lesen der wenigen Worte wurde ihr klar, dass ihr schlimmste Befürchtung eingetreten war: Ihre Tante wurde vermisst.

In the mood for yellow

In gelber Stimmung

Happy New Year!

Looking back, have you ever inadvertently developed a penchant for a specific colour? I seem to have done so. Archiving photos I have taken in 2019 I happend to notice that the colour yellow cropped up more often than usual. Was it pure coincidence, an unconcious decision or due to subject matter? Who knows? Here are a few examples:

In gelber Stimmung

Alles Gute im neuen Jahr!
Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie zurückblicken und feststellen, unbemerkt eine Vorliebe für eine bestimmte Farbe entwickelt zu haben? Mir scheint das passiert zu sein. Als ich die im Jahr 2019 aufgenommenen Fotos archivierte, fiel mir auf, dass die Farbe Gelb erstaunlich oft auf den Bildern auftaucht. Reiner Zufall, eine unbewusste Entscheidung oder doch nur auf die Bildthematik zurückzuführen? Wer weiß? Hier einige Beispiele:

Still life with decanter and sweets. | Stillleben mit Flasche und Süssigkeiten.
An amber liquid, I don´t remember whether it was juice or herbal tea, went well with delicious sweets. | Eine bernsteinfarbene Flüssigkeit – entweder Saft oder Kräutertee, ich kann mich nicht mehr erinnern –­ macht sich gut mit leckeren Süßigkeiten.
Still life with book and yellow flowers. | Stillleben mit Buch und gelben Blumen.
Dried miniature daffodils and yellow roses accompany a beautiful book of Alfred, Lord Tennison´s poems. | Ein Buch mit Gedichten von Alfred, Lord Tennyson umringt von getrockneten Miniaturmärzenbechern und gelben Rosen.
Two pictures of a plant from the Proteacea family. | Zwei Fotos einer Pflanze aud der Familie der Proteaceen.
When I bought this cut flower, a member of the family Proteaceae, I was more interested in form and structure than in colour. | Zum Kauf dieser Schnittblume aus der Familie der Proteaceen verführten mich Wuchs und Struktur, nicht die Farbe.
White/yellow speckled knitted scarf with yellow and grey stripes. | Weiß-Gelb gesprenkeltes gestricktes Tuch mit gelben und grauen Streifen.
Twice I chose yellow deliberately: I bought cloth with a pattern in yellow and grey on off-white to make a bag. Later in the year I designed and knitted this scarf to match, because I like colour coordinated accessories. | Zweimal wählte ich Gelb ganz bewusst: Um mir eine Tasche zu nähen, habe ich einen Stoff mit einem Muster in Gelb und Grau auf naturweißem Untergrund gekauft. Später im Jahr entwarf und strickte ich dazu ein Tuch, weil ich gerne farbkoordinierte Accesoires trage.

Wave your tentacles, please

Wink´ doch mit deinen Tentakeln

Mirror, mirror on the wall who is the weirdest of them all? In my opinion that would be the Tacca, closely followed by the passionflower. The latter is the more interesting of the two, not least because of its symbolical connotations. Native to South America, the passionflower was discovered in the 16th century and fired the imagination of those who first wrote about it. The different parts of the flower were made to represent the Passion of Christ. The three stigmas were interpreted as the Nails, the five stamens as the five Wounds, the corona filaments as the Crown of Thornes. The corolla became the ten apostles present at the crucifixion, and so on. Illustrators, who never laid eyes on a living plant, depicted the flower accordingly.

In 1619/20 a passionflower flowered for the first time in Europe – not in Spain, as one would expect, but in the Farnese Gardens in Rome, Italy. Today the passionflower, once a coveted exotic, can be found in gardens all over Europe. I once bought a specimen as a houseplant at a local supermarket and to my delight it flowered copiously (until it succumbed to a plant disease). My potted plant never produced edible fruit though.

Wherever I happen to see a passionflower I try to capture its surreal beauty with my camera. Sometimes black and white really is the best.

Wink´ doch mit deinen Tentakeln

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Seltsamste am Blumenstand? Meiner Meinung nach wäre das die Tacca, dicht gefolgt von der Passionsblume, die auch die Interessantere der beiden ist. Schließlich kann sie mit einer schwerwiegenden symbolischen Bedeutung aufwarten. In Südamerika heimisch, wurde die Passionsblume im 16. Jahrhundert entdeckt und beflügelte von Beginn an die Fantasie der Berichterstatter. Die unterschiedlichen Teile der Blüte wurden mit der Passion Christi gleichgesetzt. Die drei Narben interpretierte man als Kreuznägel, die fünf Staubgefäße als die fünf Wunden, die Fäden der Nebenkrone als die Dornenkrone. Die Blätter der Blumenkrone standen für die bei der Kreuzigung anwesenden Apostel, und so weiter. Illustratoren stellten die Pflanze dementsprechend dar, schließlich hatten sie nie ein lebendes Exemplar gesehen.

In Europa blühte eine Passionsblume zum ersten Mal 1619/20 – nicht, wie man annehmen könnte, in Spanien sondern in den Farnesinischen Gärten in Rom. Heute blüht das einst als Exot begehrte Gewächs in vielen europäischen Gärten. Ich habe einmal eine Passionsblume als Zimmerpflanze in einem Supermarkt gekauft und sie blühte zu meiner großen Freude üppig (bis eine Pflanzenkrankheit sie dahinraffte). Meine Topfpflanze trug allerdings nie eßbare Früchte.

Wo und Wann auch immer ich zufällig eine Passionsblume sehe, versuche ich die surreale Schönheit der Blüten mit meiner Kamera festzuhalten. In Schwarz/Weiß sind die Bilder doppelt so ausdrucksstark.

Autumn Blues

Herbstschwermut

Mist swirled through the wintry air and a woman of no consequence passed an old street vendor.
„Fair lady, what shall it be? The apple of oblivion or the flower of wisdom?“, cried he.
„Give me both, I am in dire need!“, the distressed woman replied. „If the flower does not grant me the insight how to solve my plight, than to be forgotten would be best.“
„Beware of what you wish for“, warned the old man.
„I will“, promised the lady and went home.
Years later a wrecking crew found a picture in her derelict house. Of the woman there was no trace and nobody remembered who had once lived in the small cottage at the end of the road.

Stillleben mit gelben Chrysanthemen und Äpfeln. | Still life with yellow chrysanthemums and apples.

Herbstschwermut

Nebelschwaden hingen in der winterlichen Luft und eine unbedeutende Frau ging an einem Straßenverkäufer vorbei.
„Gnädige Frau, was darf es sein? Der Apfel der Vergessenheit oder die Blume der Weisheit?“ rief er ihr nach.
Geben Sie mir beides, ich brauche es dringend!“, antwortete die unglückliche Frau. Wenn mir der Rat der Blume nicht aus meiner misslichen Lage hilft, wäre es am besten vergessen zu werden.“
„Nimm dich in Acht vor deinen Wünschen“, warnte der alte Mann.
„Das werde ich“, versprach die Dame und ging nach Hause.
Jahre später fand das Team einer Firma für Abbrucharbeiten eine Fotografie in ihrem verfallenen Haus. Von der Frau gab es keine Spur und niemand erinnerte sich daran, wer in dem Häuschen am Ende der Straße gelebt hatte.

Feast! Spot the difference – 5

Fest! Finde den Unterschied – 5

Tempus fugit. Time flies. Photography stops the clock for a second and preserves an eye-blink for eternity (in theory, at least). With luck it captures the perfect moment. I will always remember the day I took these pictures fondly.

Tempus fugit. Die Zeit vergeht wie im Flug. Die Fotografie hält die Uhr für eine Sekunde an und friert einen Augenblick für die Ewigkeit ein (zumindest in der Theorie). Mit etwas Glück gelingt es, den perfekten Moment einzufangen. Ich werde mich immer gerne an den Tag, an dem ich diese Fotos aufgenommen habe, erinnern.

Still life with sweet food and coffee-service. Phase 5. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice. Phase 5.

Feast! Spot the difference – 4

Fest! Finde den Unterschied – 4

The objective of this photographic project was to document change. I made no attempt to obtain technically perfect pictures. My flat is tiny, therefore the use of a softbox is not an option. So, do I post process images? Sometimes, but I try to keep interventions at a minimum. More often than not I like the authenticity of a slightly flawed photo.

Das Ziel dieses fotografischen Projektes war es, Veränderungen zu dokumentieren. Ich habe nicht versucht technisch perfekte Aufnahmen zu erhalten. Meine Wohnung ist winzig, deshalb habe ich auch keinen Platz für eine Studioleuchte. Bearbeite ich die Bilder also nach? Manchmal, aber ich versuche die Eingriffe möglichst gering zu halten. Meist gefällt mir die Autentizität eines mit kleinen Fehlern behafteten Fotos.

Feast! Spot the difference – 3

Fest! Finde den Unterschied – 3

Must objects be immaculate to be beautiful? I think not. More often than not the imperfect, even decay, is far more interesting. But it takes more than a swift glance to recognise and appreciate this inherent beauty. For example, look at the coffee-service I used for my still life. It is incomplete and slightly battered. The lid of the coffee pot has lost its knob. Time has wounded it, but the coffee pot has retained its charm, not least because it has a story to tell. Originally produced in England by W. T. Copeland & Sons, Stoke on Trent, in December 1888/January 1889, the coffee-service was brought to Vienna. Perhaps it was once the pride of its owner. Time passed, cups broke, the little jug for milk started to leak and was also thrown away, finally the design went out of fashion. By now unloved, the few remaining pieces were given to a charity shop, where I picked them up as props. One persons trash, is another persons treasure.

Still life with sweet food and coffee-service. Phase 3. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice. Phase 3.

Fest! Finde den Unterschied – 3

Sind nur makellose Dinge schön? Ich glaube nicht. Oft ist das nicht Perfekte viel interessanter, das gilt sogar für Verfallenes. Allerdings bedarf es mehr als nur einen flüchtigen Blick, um diese Objekten innewohnende Schönheit zu erkennen und wertzuschätzen. Sehen Sie sich zum Beispiel das Kaffeeservice auf meinem Stillleben an. Es ist nicht vollständig und sieht schon ziemlich mitgenommen aus. Der Deckel der Kanne hat sein Griffknöpfchen verloren. Die Zeit hat ihn verwundet, doch die Kaffeekanne hat nichts von ihrem Charm verloren. Nicht zuletzt, weil sie eine Geschichte zu erzählen hat. Das Kaffeeservice wurde in Stoke on Trent, England, von W. T. Copeland im Dezember 1888/Jänner 1889 hergestellt und wurde nach Wien gebracht. Vielleicht war es einmal der ganze Stolz seines Besitzers. Die Zeit verging, Tassen gingen zu Bruch, das Milchkännchen begann zu tropfen und wurde entsorgt, zu guter Letzt kam das Design aus der Mode. Mittlerweile ungeliebt, wurden die verbleibenden Stücke einer wohltätigen Organisation für ihren Shop überlassen, wo sie von mir entdeckt und als Requisiten gekauft wurden. Des einen Müll, ist des anderen Schatz.

Feast! Spot the difference – 2

Fest! Finde den Unterschied – 2

Serendipidous coincidences are definitely part of the creative process. When I took the first photo in the series it was overcast but later in the day the sun came out and the light turned golden. As the day progressed it was interesting to observe how slight changes in the quality of light helped to create a mood. You will see …

Glückliche Zufälle gehören mit Sicherheit zum kreativen Prozess. Als ich das erste Bild der Serie aufnahm war es bewölkt, aber später kam die Sonne heraus und verlieh dem Licht einen goldenen Schimmer. Es war interessant zu beobachten, wie im Verlauf des Tages kleine Veränderungen in der Lichtqualität halfen, eine Stimmung zu erzeugen. Sie werden sehen …

Still life with sweet food and coffee-service. Phase 2. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice. Phase 2.

Feast! Spot the difference – 1

Fest! Finde den Unterschied – 1

Have you ever looked closely at 17th century still lifes and all that glorious food painted with deft brushstrokes? The culinary delights make my mouth water every time I encounter one of these paintings in a museum or book. If you prefer an intellectual puzzle instead of pure visual pleasure the painter´s choice of victuals can provide that too. Christian iconography seems to be all-encompassing. For example, fruit with small blemishes can be read as a hint that time stops for no one. But if you really need a reminder of the fleetingness of life look at the cheeses, hams and pies. Some artists must have returned to their larders time after time to pick up a particularly impressive wheel of cheese or the latest purchase of meat, when they received commissions in quick succession. Wedges are cut off cheeses. Hams turn grey. Pies dwindle in size and spill their stuffing onto the plate. And yet it seems to be the same foodstuffs, albeit slightly changed and in different paintings.

That gave me the idea for an experiment of my own. I decided to take pictures of a still life with sweet food in the process of being eaten. I made a cake, invited friends, composed a still life and got my camera ready. Tea was served in modern cups, we stuffed ourselves with cake and I played with my props intermittently.

How do small changes in the placement of objects affect the composition as a whole? Is it important to achieve visual ballance or is a haphazard distribution of things more striking? In the weeks to come I will show you some photos of the series and you will be able to decide for yourself.

Still life with sweet food and coffee-service. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice.

Fest! Finde den Unterschied – 1

Haben Sie sich jemals das herrliche, mit geschicktem Pinselstrich festgehaltene Essen auf Stillleben des 17. Jahrhunderts genauer angesehen? Mir läuft jedes Mal, wenn ich eines dieser Gemälde in einem Museum oder Buch sehe, angesichts all der kulinarischen Köstlichkeiten das Wasser im Mund zusammen. Wenn Sie statt purem Augenschmaus ein intellektuelles Rätsel bevorzugen, können die vom Maler ausgewählten Lebensmittel auch dieses bieten. Die christliche Ikonographie ist allumfassend. Früchte mit kleinen fauligen Stellen und Flecken können zum Beispiel als Hinweis, dass die Zeit für niemanden still steht, gelesen werden. Aber wenn Sie wirklich daran erinnert werden müssen, wie flüchtig das Leben sein kann, schauen Sie sich die Käse, Schinken und Pasteten an. Einige Künstler dürften immer wieder in ihre Vorratskammer gegangen sein, um einen besonders stattlichen Käse oder das zuletzt gekaufte Fleisch ins Atelier zu holen, wenn die Aufträge für Bilder rasch aufeinander folgten. Vom Käse werden Stücke geschnitten, das Fleich wird grau. Pasten werden teilweise aufgegessen, sodass ihre Füllung auf den Teller fließt. Es scheint als handle es sich immer um dieselben Nahrungsmittel und Gerichte, auch wenn sie in leicht veränderter Darstellung auf unterschiedlichen Gemälden begegnen.

Das brachte mich auf eine Idee für ein eigenes Experiment. Ich beschloss ein Stillleben mit süßen Speisen zu fotografieren, während die Leckereien nach und nach aufgegessen werden – also einen fortschreitenden Prozess zu dokumentieren. Ich backte einen Kuchen, lud Freunde ein, komponierte ein Stillleben und brachte meine Kamera in Position. Tee wurde in modernen Tassen serviert, wir stopften uns mit Kuchen voll und ich spielte zwischendurch mit meinen Requisiten.

Wie beeinflussen geringfügige Änderungen in der Platzierung von Objekten die Gesamtkomposition? Ist es wichtig optische Ausgewogenheit zu schaffen oder sind mit willkührlichen Anordnungen der Dinge die besseren Effekte zu erzielen? In den folgenden Wochen werde ich Ihnen einige Fotos aus der Serie zeigen und sie können sich eine eigene Meinung bilden.

The noble stalk

Der noble Stängel

Poor asparagus destined for dinner! I could not leave it alone in its last hours, it was far too beautiful. Last saturday the sun was beating down relentlessly and I was disinclined to go for a long walk. For a change, I had nothing else to do. So, play time …

We take asparagus for granted, but for centuries it was a coveted delicacy. White asparagus was preferred. Gardeners did their best and kept the pampered plants under ceramic cloches to prevent them turning green. (You can read more about how to keep asparagus in the dark here.) Asparagus was not only eaten with gusto, but painted with almost equal enthusiasm. Many still lives with asparagus in place of pride have found their way into museums. Mine never will, but it was fun to take the pictures.

Asparagus sculpture. Not to be taken seriously. | Spargelskulptur. Nicht Ernst zu nehmen.
Still life with asparagus and bewildered butterfly. | Stillleben mit Spargel und verwirrtem Schmetterling.

Der noble Stängel

Armer, für das Mittagessen bestimmter Spargel! Ich konnte ihn in seinen letzten Stunden nicht in Ruhe lassen, er war einfach zu hübsch. Die Sonne brannte vergangenen Samstag gnadenlos vom Himmel und ich hatte wenig Lust auf einen langen Spaziergang. Zur Abwechslung gab es auch nichts anderes zu tun. Damit bot sich eine gute Gelegenheit ein bisschen zu spielen.

Für uns ist Spargel nichts besonderes, deshalb vergessen wir gerne, dass er Jahrhunderte lang eine begehrte Delikatesse war. Allerdings galt dies vor allem für weißen Spargel. Gärtner taten ihr Bestes und stülpten Glocken aus Keramik über die verhätschelten Pflanzen. (Hier können Sie mehr darüber lesen, wie man Spargel im Dunkeln hält.) Spargel wurde nicht nur mit Begeisterung gegessen, sondern auch gerne gemalt. Auf so manchem Stillleben setzte ein Maler ein Bündel des zarten Gemüses gekonnt in Szene. Das beweisen zahlreiche Bilder, die sich in den Beständen von Museen erhalten haben. Meine Stillleben werden es nie in ein Museum schaffen, aber es hat Spaß gemacht, sie zu fotografieren.