Lebenshungrige Textfische

Fun-loving Textfish

Manche Textfische können der Verlockung des Anderen einfach nicht widerstehen. Sie dürsten nach Ideen, Geschichten und neuen Erfahrungen. Da sie aufgeschlossen und tolerant sind, stehen die meisten Textfische Experimenten nicht abgeneigt gegenüber.

Textfische auf der Suche nach Vergnügen und Abenteuer schwimmen an die geheimnisvolle Grenze des Textmeeres, wo die Membran zwischen Realität und Fiktion dünn und durchlässig ist. Audio-Junkies lauschen in den berüchtigten Whisperbars den Gedanken menschlicher Schriftsteller. Flossenfesteres bieten die Strichpunkt-Clubs. Offiziell gegründet, um den Dialog zwischen den Gattungen zu fördern, haben sich diese Etablissements auf erotische Begegnungen der besonderen Art spezialisiert. Nachwuchs wird liebevoll in Ligaturen-Camps aufgezogen.

Chapter 7. | Das siebte Kapitel.
Need help cutting cables? | Brauchst du Hilfe beim abknipsen der Kabel?
Oh, I can swim just as fast as you. | Oh, ich kann genauso schnell schwimmen wie du.
Of course I can purifiy water with my horn. | Na klar, kann ich mit meinem Horn Wasser entgiften.

Fun-loving Textfish

Some Textfish cannot resist the lure of the other. They are hungry for ideas, stories and new experiences. Open minded and tolerant, most Textfish are not at all averse to experimentation.

Textfish in search of pleasure and adventure swim to the mystical border of the Textsea. Here the membrane between reality and fiction is thin and permeable. In the notorious Whisperbars Audio-Junkies listen to the thoughts of human writers. Semicolon-Clubs offer fins-on-experiences. Officially founded to further the dialogue between species, over time these establishments have specialized in all kinds of erotic encounters. Progeny is raised with loving care in Ligature-Camps.

Nützlich bis in den Tod

Forever useful

Wenn Herbarien wie die Sammlungen der fiktiven Textfische wundersame Fähigkeiten hätten, würden sich dann mehr Menschen für Pflanzen und ihr Wohlergehen interessieren? Oder wäre damit nur eine weitere Möglichkeit gefunden, die Natur rücksichtslos auszubeuten? Hier ist das sechste Kapitel des Buches „Textfisch“.

Von Zeit zu Zeit werden Textfische an Land gespült. Ein lebendes Exemplar zu finden, soll Glück bringen. Tote Textfische verleihen angeblich die Gabe mit Worten manipulieren zu können. Behutsam getrocknet und gepresst, nehmen sie die Form von Scherenschnitten an. Der Besitz eines auf diese Art konservierten Textfisches wird meist geheim gehalten. Finder und ihre Familien hüten sie wie einen Schatz und geben sie von Generation zu Generation weiter. Zu kostbaren Büchern gebundene Textfisch-Sammlungen tauchen daher nur selten am Kunstmarkt auf.

Chapter 6. | Das sechste Kapitel.
Dead Textfisch, pressed and mounted. „What happened to me?“, its surprised expression implies. | Toter Textfisch, gepresst und aufkaschiert. „Was hat man mir angetan?“, scheint sein Gesichtsausdruck zu sagen.
„No, no, don´t step on me!“ Squish. Too late. | „Nein, nein, nicht auf mich treten!“ Stampf. Zu spät.
He wouldn´t have dreamt to end up as part of an piscisarium. | Nicht im Traum hätte er daran gedacht, in einem Piscisariumzu enden.

Forever useful

If herbaria, like collections of fictitious textfish, were to bestow wondrous powers, would more people be interested in plants and their wellbeing? Or would it just mean another opportunity to exploit nature ruthlessly? Here is chapter 6 of the book „Textfisch“.

From time to time Textfish are beached. To find a living specimen is said to bring luck. Dead Textfish, however, purportedly confer the gift to manipulate with words. Dried with care and pressed, they take on the appearance of paper cuts. Ownership of a textfish conserved in this way is usually kept secret. Finders and their families guard them like treasure and pass them down from one generation to the next. Collections of Textfish bound as precious books are therefore only seldom traded on the art market.

Welker Buchstabensalat

Withered Word Salad

Bücher sind aus meinem Leben nicht wegzudenken. Am liebsten würde ich in einer Bibliothek wohnen. Wenn ich spaßhalber als Gedankenspielerei Häuser entwerfe, ist das Herzstück immer ein Raum für Bücher mit Regalen aus schönem alten Holz, gemütlichen Sofas und einem riesigen Arbeitstisch. Natürlich darf auch ein geräumiger Papierkorb nicht fehlen, in dem überarbeitete Manuskriptseiten, verworfene Notizzettel und Papierreste von Buchkunst-Projekten langsam eine Stratigrafie der Ideen und Experimente bilden. Als Wissenschaftlerin, die nicht nur schreibt sondern auch so manches Buchprojekt grafisch vom Entwurf bis zum druckreifen PDF gebracht hat, kann ich ein Lied davon singen, wieviele Versionen und Ausdrucke eines Textes schlussendlich ins Altpapier wandern. Mir hat die englische Bezeichnung „foul matter“ für nicht mehr gebrauchte Manuskripte schon immer gut gefallen. In dem Buch „Textfisch“ bekommt diese faule Materie eine neue Bedeutung und Dimension:

In toten Sprachen verfasste Texte und altmodische Worte sinken auf den Grund des Textmeeres. In diesen tintigen Tiefen leben die Aasfresser und die großen Räuber unter den Textfischen Seite an Seite. Beim schwachen Schein ihrer Leuchtorgane durchsuchen die einen die zähen Ablagerungen der verrottenden Worte nach Nahrung, während die anderen mit zu Buchstaben geformten, leuchtenden Auswüchsen ihre ahnungslose Beute anlocken. Die von diesen unsauberen Essern gern gesehenen Leerzeichen-Putzerfische signalisieren ihre Dienstbereitschaft mit sanft pulsierenden Leuchtpunkten.

Chapter 5. | Das fünfte Kapitel.
Come hither and get eaten: Glowing letters as bait. | Komm und lass dich fressen: Leuchtende Buchstaben als Köder.
Don´t mess with me, I´ ve got teeth! | Leg dich nicht mit mir an, ich habe Zähne!
Would you like to be groomed by me? | Soll ich dich putzen?

Withered Word Salad

Books habe accompanied me all my life. Given the opportunity I would choose to live in a library. A room furnished with dark wooden bookcases, comfortable sofas and a huge worktable always lies at the heart of houses I design in my mind for fun. A capacious waste paper basket is a necessity, too. In it edited manuscript pages, notes and paper cut-offs left from book arts projects slowly build a stratigraphy of ideas and experiments. As a researcher and graphic designer I know from experience how many edited/revised print-outs of a text or layout end up as wastepaper. I have always liked the english term „foul matter“ for all the stuff that has been superseded by the published book. In my book „Textfisch“ its definition is given a new meaning and dimension:

Texts written in dead languages and words, that have fallen out of fashion, sink to the bottom of the Wordsea. In these ink-dark dephts scavengers and the largest predators among textfish live side by side. The former sift through the treakly deposits of rotting words by the weak bioluminescence of their light organs while the latter try to attract their unsuspecting prey with glowing letter-shaped excrescences. Blankspace-Cleanerfish, who signal their services with slowly pulsing light dots, are seen as welcome guests by any untidy eater.

Vom Haiku zur Zeichensprache

From Haiku to Sign Language

Meine Bewunderung für Buchmalerei ist grenzenlos, nicht zuletzt wegen der fantasievollen Randgestaltungen und Initialen. Ich liebe die kräftigen Farben und drolligen Details, den Horror vacui und die Pracht. Also beschloss ich, ein Kapitel des Buches „Textfisch“ in Gouache zu malen.

Wird instant letters dem Wasser kleiner Teiche beigemengt, verleiht es Goldfischen die Gabe Haikus zu dichten. Besucher der Erlebniswelt Lost Arts bedienten sich Ohrtrompeten, um dieser Unterwasserlyrik zu lauschen. Dem exotischen Vergnügen wurde durch ein Fischsterben ein jähes Ende bereitet, nachdem sich ein des Plagiats beschuldigter Dichter im Teich ertränkt hatte. Die überlebenden Goldfische gingen zum Bedauern der Geschäftsleitung dazu über, eine Flossensprache zu entwickeln, die bis heute nicht entschlüsselt werden konnte.

Chapter 4. | Das vierte Kapitel.
Even beetles liked the goldfish´s poems. | Sogar die Wasserkäfer lauschten den Gedichten der Goldfische gerne.
Not another suicidal human, please! | Nicht noch ein selbstmordgefährdeter Mensch, bitte!
Sign language using fins is difficult. | Zeichensprache ist mit Flossen schwierig.

From Haiku to Sign Language

My admiration for illuminated manuscripts knows no bounds, not least because their borders are a space for fantasy. I love the brilliant colours and quirky details, the horror vacui and splendor. Therefore I decided to paint one chapter of the book „Textfisch“ in gouache.

Add instant letters to the water of small ponds and it enables goldfish to talk haikus. Visitors to the theme park Lost Arts were given eartrumpets to listen to this unterwater-poetry. The suicide of a poet accused of plagiarism and the subsequent death of almost all fish put a sudden end to this exotic pleasure. To the infinite regret of the management the surviving goldfish began to develop a sign language using their fins, which has not been decoded so far.

Buchstabensuppe

Alphabet Soup

Ich mag Naturkundebücher, besonders sehr alte Exemplare mit hervorragend gezeichneten und gemalten Abbildungen. Deren knappe Texte, die Basisinformationen zu Tier oder Pflanze vermitteln, haben mich für manches Kapitel meines Buches „Textfisch“ inspiriert.

Textfische ernähren sich von Buchstaben. Gotische Lettern sind ein Leckerbissen, dem sie nur schwer widerstehen können. Fischer verwenden diese altmodischen Schriftzeichen daher gerne als Köder. Doch im Allgemeinen sind Textfische bezüglich der Schriftart nicht wählerisch. Als Ausnahme gelten die Bewohner der Calligraphy Bay, die ausschließlich Handschriftliches zu sich nehmen. In Regionen mit geringer Satzdichte, fern der üppigen Textfelder, jagen Textfische in Gruppen. Dabei isolieren sie Worte und verspeisen deren abgetrennte Anfangs- und Endbuchstaben.

Chapter 3 | Das dritte Kapitel.
Textfish in search of nourishment. | Textfische auf Nahrungssuche.
Textfish tempted by a Gothic letter. | Gleich hängt er am Haken.
Can Textfish read? | Können Textfische lesen?

Alphabet Soup

I am a big fan of books on natural science. Old tomes with excellent drawings and paintings in particuar. Somehow the short paragraphs giving basic information about animals and plants in books of nature served as inspiration for some chapters of my book „Textfisch“.

Textfish feed on letters. Gothic characters are a favourite morsel they can hardly resist. Small wonder that fishermen use oldfashioned type as bait. But in general Textfish are not particularly fastidious when it comes to food – with the exception of the inhabitants of Calligraphy Bay. They only eat letters written by hand. In regions with low sentence density, far from the luxuriant textfields, Textfish hunt in packs. First they isolate words, then they feast on their severed first and last letters.

Ein begehrtes Elixier

A coveted elixir

Das Buch „Textfisch“ war eine wunderbare Spielwiese, um verschiedene Techniken und Materialien auszuprobieren. Für die Literatenfische habe ich alte Buchseiten und als Hintergrund Papier, das ich in einem Geschäft im chinesischen Viertel von Toronto gekauft habe, verwendet.

Englischen Wissenschaftlern ist es gelungen, die Essenz des Textmeeres zu destillieren und als instant letters erfolgreich auf den Markt zu bringen. Trotz seines hohen Preises ist das Produkt bei Aquarianern sehr beliebt, da es die Lebensspanne der seltenen Literatenfische, einer Unterart des Textfisches, in Gefangenschaft erheblich verlängert. Bemühungen ein Konzentrat aus nummerologischem Schlamm zu gewinnen, sind bislang gescheitert.

Das nächste Mal: Die Ernährungsgewohnheiten der Textfische.

Chapter 2. Handlettering on a chocolate wrapper. | Das zweite Kapitel, von Hand auf Einwickelpapier einer Schokoladepraline geschrieben.
Textfish discussing new ideas. | Textfisch, die über neue Ideen diskutieren.
Feed us! The pop-eyed „Leichtsinnige“ is my favourite. | Füttere uns! Der glubschäugige „Leichtsinnige“ ist mein Favorit.
Hurry, hurry, don´t let the tasty morsels sink to the sea-bottom. | Schnell, schnell, bevor die Leckerli am Meeresgrund landen.

A coveted elixir

The book „Textfisch“ proved to be a marvelous playground to try out new techniques and materials. I used pages of an old book for the Literatifish and paper I bought in Toronto´s China Town for the background.

English scientists succeeded in distilling the essence of the Textsea, subsequently successfully released on the market as instant letters. Owners of aquariums love the product despite its high price, because it lengthens the life expectancy of the rare Literatifish, a subspecies of the Textfish, in captivity. Efforts to extract a concentrate from nummerological mud have failed so far.

Next time: What Textfisch eat.

Ein überraschender Fund

An unexpected find

So viel Zeit wie dieses Jahr habe ich noch nie für den Frühjahrsputz aufgewendet. Das kommt davon, wenn man dazu aufgefordert wird, zu Hause zu bleiben. Kein Regalbrett war zu hoch angebracht, keine Staubschicht zu dick. Unerschrocken arbeitete ich mich in Ecken vor, die jahrelang unbehelligt geblieben waren. Sie können sich vielleicht die Freude vorstellen, als ich dabei auf ein Buch stieß, das ich vor rund zehn Jahren schrieb und illustrierte. Es erzählt die Geschichte einer erfundenen Fischart, den Textfischen.

Das Buch „Textfisch“ ist ein Einzelstück, das sieben Kapitel zu je fünf Seiten umfasst. Ich habe hauptsächlich auf Einwickelpapier von Schokoladepralinen geschrieben/gezeichnet (die gleiche Sorte, die auch für das „Tulpenbuch“ Verwendung fand). In den kommenden Wochen werde ich die Geschichte in sechs weiteren Blogbeiträgen erzählen. Hier ist zunächst einmal das erste Kapitel:

Das Zeitalter der Langeweile wurde durch die Wortflut beendet. Als diese langsam versiegte, blieb das Textmeer zurück. In seinen unendlichen Weiten leben die – heute durch eine im Zuge der Erschließung der Bildwelten eingeschleppte Viruserkrankung, Pixeliose, bedrohten – Textfische. Mit Ausnahme der Unterart des „Comedyfish“ handelt es sich um scheue Tiere, die zu Fremden nur langsam vertrauen fassen.

The book „Textfisch“ in its box. | Das Buch „Textfisch“ in seiner Schachtel.
When working with reused paper often Japanese binding is the ideal choice. | Das Buch auf Japanische Art zu binden ist oft die beste Lösung, wenn man mit Altpapier arbeitet.
I used chocolate wrappers for the pages of the book. | Großteils habe ich für die Seiten des Buches Einwickelpapier von Schokoladepralinen verwendet.
Chapter 1. | Das erste Kapitel.
A Textfish on the run. | Ein Textfisch auf der Flucht.
Curiosity won, a Textfish bashfully meets the reader´s gaze. | Die Neugier hat gesiegt, ein Textfisch späht schüchtern aus der Seite.

An unexpected find

Due to circumstance I have spent more time than usual spring cleaning. No shelf was too high, no layer of dust too deep. Undaunted I poked into places I have not looked at for years. Imagine my delight when I unearthed a book I wrote and illustrated ten years ago. In it I tell the story of a fictional species of fish, the Textfisch.

The book „Textfisch“ is a one off comprising seven chapters at five pages each. I wrote/drew mostly on chocolate wrappers (the same kind I used for „Tulpenbuch„). In the coming weeks I will retell the story, originally written in German, in six more blogposts. Here is the first chapter:

The Time of Boredom was brought to an end by the Wordflood. After the flood receded only the Textsee was left. In its infinite dephts live the Textfish – an endangered species, due to a virus, pixeliosis, spread in the course of the exploration of the World of Pictures. With the exception of the subspecies „Comedyfish“ they are shy creatures, who do not trust strangers easliy.

Obituary of a pair of trousers

Nachruf auf eine Hose

I have never believed in love at first sight, but the day I saw you hanging forlornly in the darkest corner of the shop I knew for certain: you are the one. I needed you, I wanted you and you became mine.

For years you went, where I went. You endured mud, sleet, sticky crumbs and grass stains. Dirt and dust are no strangers to archaeologists and garments are laundered into oblivion on a regular basis. But you were tough and served me well. You did not shrink or bleed. You suffered small holes and stains without complaint and despite wear and tear you never split a seam. Boxes full of shards held no fear for you.

When you began to weaken I patched you up. Your fading beauty went well with screenprinted seed heads and bugs. Once the stress became too much and your fabric ripped, you welcomed my paltry attempts at crocheted flowers and made them your own.

Now one of your legs is beyond repair. Generously you offered yourself up to dismantlement. To the end you were a great companion and it is a solace that parts of you will live on as a new bag. I will miss you.

Trousers with visible mending. | Sichtbar geflickte Hose.
Beyond repair? Shall I continue visible mending or use the fabric to make something new? | Jenseits jeder Reparatur? Soll ich weiter sichtbar flicken oder aufgeben und etwas völlig neues aus ihr machen?
Detail of the trousers with patches, screenprints and crochet work. | Detail der Hose mit aufgenähten Flicken, Siebdruck und  Häkelflicken.
How to save a pair of trousers: Visible mending, screenprints and crochet work. | Wie rettet man eine kaputte Hose: Sichtbare Ausbesserungen, Siebdruck und Häkelflicken.

Nachruf auf eine Hose

Ich habe nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt, aber an dem Tag als ich Dich traurig in der dunkelsten Ecke des Geschäftes hängen sah, wusste ich mit Gewissheit: Du bist die Eine. Ich brauchte Dich, ich wollte Dich und Du wurdest mein.

Jahrelang gingst Du, wohin ich ging. Du ertrugst Schlamm, Schneematsch, klebrige Krümel und Grasflecken. Schmutz und Staub sind keine Unbekannten für Archäologen und Kleidung wird bis zur Auflösung gewaschen. Aber Du warst zäh und hast mir gut gedient. Du gingst nicht ein und hast nicht ausgefärbt. Kleine Löcher und Flecken hast Du ohne zu klagen ertragen und trotz großer Beanspruchung ist nie eine Naht geplatzt. Kisten, vollgepackt mit Scherben, sahst Du mit Gelassenheit entgegen.

Als Du anfingst schwächer zu werden, flickte ich Dich wieder zusammen. Deine verblassende Schönheit vertrug sich gut mit siebgedruckten Blumen und Käfern. Mürbe geworden riss Dein Stoff immer wieder, doch Du hast meine kläglichen Versuche Flicken zu häckeln begrüßt und sie zu einem Teil von Dir gemacht.

Nun ist eines Deiner Beine nicht mehr zu retten. Großzügig hast Du Dich bereit erklärt auseinander genommen zu werden. Bis zuletzt warst Du ein treuer Begleiter und es ist ein Trost, dass Teile von Dir in einem neuen Beutel weiterleben. Ich werde Dich vermissen.

A handful of ducks

Eine Handvoll Enten

Are you bored yet? I promise, this is the final blog about „Ab in den Teich“.

Last, but not least, I designed and cut a jet of water shooting up from the center of the pop-up book. Ducks, twelve to be precise, make a beeline for it from all directions of the compass. I should have let them face outwards, to an imaginary rim of the pond, because that is where they are usually headed. In real life, as soon as the ducks spot a potential source of food – that is a human, who might be willing to share a piece of bread – they home in on their target and approach from all quarters. On my last visit I forgot to bring bread and I am sure you can imagine the indignant quacking, when the ducks expectations were not met. But I digress.

At last it was time to assemble the different parts of „Ab in den Teich“ and a new book was born. In my humble opinion it is truly amazing what can be accomplished with a sheet of paper, a reused page of an old book, glue and a scalpel.

The pop-up book "Ab in den Teich". | Das fertige Pop-up Buch "Ab in den Teich".
Four pop-ups, one for each pond in Türkenschanzpark, a jet of water and lots of ducks: The finished pop-up book „Ab in den Teich“. | Vier Pop-ups, für jeden Teich im Türkenschanzpark eines, eine Fontäne und jede Menge Enten: Das fertige Pop-up Buch „Ab in den Teich“.
The pop-up book "Ab in den Teich". | Das fertige Pop-up Buch "Ab in den Teich".
The pop-up book "Ab in den Teich". | Das fertige Pop-up Buch "Ab in den Teich".
The pop-up book "Ab in den Teich". | Das fertige Pop-up Buch "Ab in den Teich".
Folded, Ab in den Teich“ is rather small (10,5 cm x 9/16 cm x 3 cm). | Zusammengefaltet ist „Ab in den Teich“ recht klein (10,5 cm x 9/16 cm x 3 cm).

Eine Handvoll Enten

Sind Sie schon gelangweilt? Das ist der letzte Blog über „Ab in den Teich“, versprochen.

Zu guter Letzt entwarf und schnitt ich einen Wasserstrahl, der von der Mitte des Pop-up Buches in den Himmel sprudelt. Aus allen Richtungen strömen Enten, um genau zu sein zwölf, herbei. Eigentlich sollten sie in die andere Richtung blicken, zur (nur in der Vorstellung existierenden) Einfassung des Teiches – dorthin sind die Enten nämlich normalerweise unterwegs. Im wirklichen Leben eilen die hübschen Wasservögel von überall am Teich zielstrebig herbei, sobald sie eine mögliche Futterquelle erkennen, also einen Menschen der vielleicht bereit ist, Brot mit ihnen zu teilen. Bei meinem letzten Besuch hatte ich vergessen Brot mitzubringen und Sie können sich sicher das beleidigte Gequake der in ihren Erwartungen enttäuschten Enten vorstellen. Aber ich schweife ab.

Endlich war es an der Zeit, die einzelnen Teile von „Ab in den Teich“ zusammenzukleben und schon war ein neues Buch geboren. Ich bin immer wieder erstaunt, was man aus einem Blatt Papier, einer Seite eines alten Buches, Klebstoff und einem Scalpell so alles machen kann.

Dance of two goldfish

Tanz zweier Goldfische

The fourth segment of „Ab in den Teich“ is pure fiction. I have never seen goldfish in one of Türkenschanzpark´s ponds. That doesn´t necessarily mean there aren´t any. Perhaps a small shoal hides in the depths somewhere near one of the tiny ornamental islands. However, putting two exotic goldfish, likely from Japan, amid a jungle of aquatic plants is a flight of fancy, a play with „what if“, a story waiting to be told. No wonder this pop-up is my favourite. So:

Once upon a time a Japanese girl came to Vienna to learn to play the violin. She lived all alone in a draughty garret, where she practiced till her fingers bled. One day two drops of blood fell into a cup of tea standing on the table in front of her. When the girl turned her gaze from the sheet music to the cup she saw two tiny goldfish stirring the tealeaves in a joyfull dance. The years passed and her golden scaled friends kept her company. When war came the Japanese girl, now a young woman, knew she had to leave the city in order to survive. With a heavy heart she realized there was no way to take her fish on the long arduous journey home. On a beautiful summer evening she wrapped the fishbowl in a cloth and walked to Türkenschanzpark. Saying farewell, she tipped the bowl into the water of the largest pond and set the magical creatures free. Who knows whether they still move in a silent dance in the dark depths of the still water.

"Ab in den Teich": The fourth pop-up. | "Ab in den Teich": Das vierte Pop-up.
The fourth pop-up: Where are you? Come and dance with me! | Das vierte Pop-up: Wo bist du? Komm und tanz mit mir.
"Ab in den Teich": The fourth pop-up. | "Ab in den Teich": Das vierte Pop-up.
"Ab in den Teich": The fourth pop-up. | "Ab in den Teich": Das vierte Pop-up.

Tanz zweier Goldfische

Das vierte Segment von „Ab in den Teich“ ist reine Erfindung. Noch nie habe ich Goldfische in einem der Teiche des Türkenschanzparks gesehen. Das heißt nicht unbedingt, dass es sie nicht gibt. Vielleicht versteckt sich ja ein kleiner Schwarm im tieferen Wasser nahe einer der winzigen ornamentalen Inseln. Wie auch immer – zwei exotische, wahrscheinlich aus Japan stammende, Goldfische in einem Wasserpflanzendschungel zu verstecken ist pure Fantasie, ein Spiel mit „was wäre, wenn“, eine Geschichte, die darauf wartet, erzählt zu werden. Dass dieses Pop-up mein Favorit ist, wundert daher nicht weiter. Also:

Vor langer Zeit kam ein Mädchen aus Japan nach Wien, um das Geigenspiel zu erlernen. Sie lebte einsam in einer zugigen Dachstube, in der sie übte, bis ihre Finger bluteten. Eines Tages fielen zwei Tropfen ihres Blutes in eine Tasse Tee, die vor ihr auf einem Tisch stand. Als schließlich der Blick des Mädchens von den Noten zur Tasse glitt, sah sie zwei winzige Goldfische in einem freudvollen Tanz die Teeblätter aufwirbeln. Die Jahre vergingen und ihre goldgeschuppten Freunde leisteten ihr Gesellschaft. Als der Krieg kam, wusste das japanische Mädchen, nun eine junge Frau, dass sie die Stadt verlassen musste, um zu überleben. Schweren Herzens erkannte sie, wie unmöglich es wäre, ihre Fische auf die lange Heimreise mitzunehmen. Also wickelte sie an einem schönen Sommertag das Goldfischglas in ein Tuch und ging in den Türkenschanzpark. Abschied nehmend, kippte sie das Glas vorsichtig in das Wasser des größten Teiches und setzte die magischen Geschöpfe frei. Wer weiß, vielleicht tanzen sie noch immer lautlos in den Tiefen des stillen Wassers.