Into the woods!

Auf in den Wald!

Here is another type of paper peepshow, this time with an accordion-style body. The little pocket theaters became popular in the 1820s. You can read more about the history and construction of paper peepshows here. Inspired by the marvellous examples in the collection of the Victoria & Albert Museum, London, I decided to create one of my own.

The first question that arose was: To draw or not to draw? Collage is a lot faster, so collage it was. Happily sorting trees, figures and sundry accessories I thought about possible stories. I had enough material for the scenery of five panels, a back-scene and the cover. Lots of trees and bushes meant the action was going to take place in a wood. And there was this intriguing male tied to a tree, clearly in distress … So, here it goes:

A pocket theater, 11 x 9,6 x 1,7 cm. What tale will unfold? | Ein Taschentheater, 11 x 9,6 x 1,7 cm. Welche Geschichte wird wohl erzählt?
The scene is set, the curtain goes up. | Die Bühne ist vorbereitet. Der Vorhang geht hoch.
The dog was the only witness. | Der Hund war der einzige Augenzeuge.

„Help! I implore you, good ladies, set me free!“ sounds a feeble cry from behind a bush.
„Did you hear that, Helen?“ says one lady to the other.
„Yes, I think it came from over there. Oh, look! Let´s go and rescue the poor man.“
Meanwhile a little deeper into the woods a man and a woman are arguing:
„I told you she was not to be trusted. You should not have placed the valuables in the basket she dropped down on a rope, before she lowered the rope-ladder.“
„And how, pray, was I supposed to catch and climb said ladder one handed? You took your time tieing that cad up! And where was the backpack you were supposed to bring, when we needed it?“
„But you said, you wanted to put the loot in the bag you are wearing beneath your petticoats!“
„You Idiot, the silver plates he brought for the picknick would have been far too heavy to carry that way.“
„His purse wasn´t though. There was no need to drop it into the sack als well!“

Bitterly bickering the two thieves are withdrawing from the scene of crime.
And on the horizon their lucky driver in her getaway-balloon goes up, up and away …

Making paper peepshows is a bit like building a stage set. | Ein Tunnelbuch zu bauen ähnelt der Gestaltung eines Bühnenbildes.

Auf in den Wald!

Eine andere Art der Peepshow aus Papier ist das Tunnelbuch mit ausziehbaren Seitenteilen, die einem Akkordeon gleichen. Die kleinen Taschentheater wurden in den 1820er Jahren populär. Über Geschichte und Bauweise der zusammenfaltbaren Guckkastenbücher können Sie hier mehr lesen. Inspiriert von den herrlichen Exemplaren in der Sammlung des Victoria & Albert Museums, London, beschloss ich selbst ein Tunnelbuch zu bauen.

Die erste Frage war: Zeichnen oder nicht zeichnen? Collage geht viel schneller, damit war die Entscheidung gefallen. Während ich glücklich Bäume, Figuren und alle möglichen Accessoires sortierte, überlegte ich, welche Geschichte ich erzählen könnte. Ich hatte genug Material für fünf Kulissenbilder, den Hintergrund und das Cover. Das Geschehen würde im Wald stattfinden, da jede Menge Bäume und Büsche zur Verfügung standen. Und da war auch noch dieser rätselhafte, an einen Baum gefesselte Mann, der sich eindeutig in Schwierigkeiten befand … Also, los geht´s!

„Hilfe!“ Meine Damen, ich beschwöre Sie, befreien Sie mich!“ tönte es schwach hinter einem Busch hervor.
„Hast Du das gehört, Helen?“ fragte eine der Damen.
„Ja, ich glaube der Ruf kam von da drüben. Ach, schau mal! Lass´ uns den armen Kerl retten!“
Ein wenig tiefer im Wald geraten sich zur selben Zeit ein Mann und eine Frau in die Haare.
„Ich habe doch gesagt, dass wir ihr nicht vertrauen können! Du hättest die Wertsachen nicht in den Korb, den sie noch vor der Strickleiter an einem Seil herunterließ, legen dürfen!“
„Und wie, bitte, hätte ich die besagte Leiter mit nur einer Hand fangen und hinaufklettern sollen? Du hast ewig gebraucht den Typ an den Baum zu binden. Und wo war der Rucksack, den du hättest bringen sollen, als wir in brauchten?“
„Aber Du hast gesagt, Du willst die Beute in die Tasche, die Du unter den Unterröcken trägst, stecken!“
„Du Idiot! Die Silberteller, die er für das Picknick mitgebracht hat, wären viel zu schwer gewesen, um sie so zu transportieren!“
„Seine Börse war´s nicht! Du hättest sie nicht auch in den Sack werfen müssen!“
Im bitteren Streit entfernen sich die beiden Diebe vom Ort des Verbrechens.
Und am Horizont schwebt ihre glückliche Fahrerin in ihrem Fluchtballon höher, höher und hinfort …

Peeping Tom

Voyeur

„Gentlemen and, of course, ladies! May I present the great innovators, the masters of pleasure, accomplished in lost techniques: Gretchen and Max! Come and watch them disporting themselves. Discover their secrets and enrich your experience! One look just a penny, 5 pounds for the show! Don´t be shy! Oh, come on, dear lady, there is no reason for moral outrage. It is a completely natural and wholesome act. Look! The fair maiden in the front row is not even blushing!“

A simple box with a poster announcing the show performed within. | Eine schlichte Schachtel mit einem Programposter.

Peepshow. Featuring Gretchen and Max was the second object I made with the material gained by cutting up 18th century erotic prints. (You can read about how I came into their possession and the fate of the book here.) I imagined a distopian fun fair for grown-ups held at night on short notice appropriating unused space like the huge parking lots next to supermarkets. A raised boardwalk could link the rear loading doors of cargo trucks giving access to their commodious interiors housing all kinds of entertainments – from bars and kitchens to peepshows and gaiming tables. Rows of containers rented as storage space I saw in American movies somehow came into the visual equasion too. But unlike those, the fair would be gone in the morning.

Join the lady and take a peek! | Gesellen Sie sich zu der Dame und spechteln Sie mit!
The leaf, placed for modesty´s sake, is not part of the original artwork. | Das Originalkunstwerk ist weniger züchtig, es kommt ohne Blatt aus.
Mood lighting. Ornamental windows puncture the ceiling. | Stimmungsvolles Licht. Ornamentale Fenster durchbrechen die Decke.

Voyeur

„Meine Herren, und natürlich Damen! Darf ich vorstellen: Die großen Erneuerer, die Meister des Vergnügens, versiert in verloren geglaubten Praktiken – Gretchen und Max! Treten Sie näher und beobachten Sie, wie die beiden es treiben. Entdecken Sie ihre Geheimnisse und werden Sie an Erfahrung reicher! Ein Blick nur ein Cent, fünf Euro für die Show! Keine Scheu! Ach, kommen Sie meine Dame, es gibt wirklich keinen Grund sich moralisch zu entrüsten. Der Akt ist vollkommen natürlich und gesund für Leib und Seele! Schauen Sie nur! Das hübsche Mädchen in der ersten Reihe errötet nicht einmal!“

Peepshow. Featuring Gretchen and Max war des zweite Objekt, das aus den zerschnippelten erotischen Drucken des 18. Jahrhunderts entstand. (Wie ich zu diesen kam und über das Schicksal der Bücher können Sie hier nachlesen.) Ich habe mir einen distopischen Rummelplatz für Erwachsene vorgestellt, der sich nächtens – nach sehr kurzer Ankündigung – ungenutzten Raum, wie die Parkplätze bei Supermärkten, zunutze macht. Ein hölzerner Steg könnte die Ladetüren am hinteren Ende von LKW´s verbinden und deren geräumige Innenräume allerlei Unterhaltungsangebote beherbergen: Bars, Küchen, Peepshows, Spieltische … Irgendwie musste ich auch an Reihen von als Stauraum vermieteten Containern, wie sie manchmal in amerikanischen Filmen zu sehen sind, denken. Anders als diese, wäre der Jahrmarkt am Morgen wieder verschwunden.

Strawberry Season

Erdbeersaison

Do you like strawberries? I do and – lucky me! – solitary market stalls selling locally grown strawberries are popping up all over Wien, sometimes in the oddest places. On weekends I like to roam the outskirts of the city and when the opportunity presents itself, I buy a basket of fruit from one of these street vendors. Strawberries sold at this time of the year seem to be smaller than their precocious cousins imported from Spain, but at least they haven´t lanquished for hours in the cargo hold of an aeroplane. Someday I have to check whether there are actually strawberry fields in Wien. There are plenty in the east of Austria.

I enjoy playing with my food more than eating it and most strawberries are quite attractive. Therefore they have to model, before they are sliced, smothered in yoghurt and devoured without mercy.

A quick search in my archive yielded two still lifes.

Still life with strawberries, book and tulips. | Stillleben mit Erdbeeren, Buch und Tulpen.
The last tulips and the first strawberries. | Die letzten Tulpen und die ersten Erdbeeren.
Still life with strawberries, glasses and hamper. | Stillleben mit Erdbeeren, Gläsern und Picknickkorb.
Preparations for a picknick. Who can resist strawberries and something bubbly? The delicious fruit didn´ t make it into the hamper. Greedy me! | Vorbereitungen für ein Picknick. Wer kann schon Erdbeeren und etwas spritzigem mit vielen Bläschen wiederstehen? Die köstlichen Früchte haben es nicht in den Korb geschafft. Ich Gierschlund!

Erdbeersaison

Mögen Sie Erdbeeren? Ich mag sie recht gern und – was für ein Glück! – es erscheinen derzeit wieder einsame Marktstände, die hiesige Erdbeeren verkaufen, im Wiener Straßenbild, zum Teil an recht eigenartigen Orten. Ich gehe am Wochenende gerne in den Wiener Außenbezirken spazieren und wenn ich zufällig einen dieser Straßenhändler entdecke, kaufe ich ein Körbchen der süßen Früchte. Die saisonalen Erdbeeren scheinen ein bisschen kleiner zu sein als ihre frühreifen Cousins aus Spanien, aber zumindest mussten sie nicht Stunden im Laderum eines Flugzeugs verbringen. Vielleicht sollte ich mir einmal Zeit nehmen und versuchen herauszufinden, ob es auf Wiener Stadtgebiet tatsächlich Erdbeerfelder gibt. In Ostösterreich findet man sie recht häufig.

Ich genieße es ja mehr mit meinem Essen zu spielen, als es tatsächlich zu konsumieren. Da Erdbeeren recht attraktiv sind, müssen sie also zuerst Modell stehen, um nach getaner Arbeit klein geschnipselt, in Yoghurt ertränkt und gnadenlos verputzt zu werden.

Zwei Stillleben habe ich auf die Schnelle in meinem Archiv gefunden.

Colour bliss #2

Farbenfreude #2

Yea, it is installment time! Here is another shade card I created after a long nerve-fraying day in the office. Undoubtably I was sorely in need of chocolate, because usually I don´t go for brown and beige. However, perhaps my choices were due to colour backlash. Archaeologists use soil colour charts devised for soil scientists to determine and describe the colour of pottery finds. The results are a string of words/letters/numbers bordering – for the uninitiated – on the arcane (e. g. „Surface: outside 10YR 5/1, inside 10YR 6/2“) and severe eye-strain from staring at tiny squares of shades of brown held against a shard coloured a similar boring brown.
And look what I found perusing my holiday snaps! A picture of a tray of mock-up sweets, taken on a visit to a fleamarket in Paris.

Fake chocolates and the palette I created. | Pralinen-Imitate und meine Farbkarte.
Fake chocolates and the palette I created. | Pralinen-Imitate und meine Farbkarte.

Would you like to create your own palettes/shade cards? Here are a few tips:
It may sound shallow, but do not think too much. Don´t follow any rules or dos and don´ts you may have been taught in school or by reading magazines. Just look, relax and go with the flow. Be spontaneous, experiment. There is no right or wrong. Nobody is judging. You can ponder and intellectualize later, if you are so inclined and have created a shade card, for example while trying to find matching pictures.

Inspired yet? Here are a few more pictures featureing neutral colours and yellow. Have fun!

Petals of a rose. Rust and peeling paper. | Blütenblätter einer Rose. Rost und abblätterndes Papier.
Close-up of a wooden board. Still life with lace, artificial flower and old wooden spools. | Detail eines Holzbrettes. Stillleben mit Spitzen, Kunstblume und alten hölzernen Spulen.
Peeling paper. Mushrooms. | Abblätterndes Papier. Pilze.
A window with shutters closed. Top of a lemon tart. | Fenster mit geschlossenen Fensterläden. Der gebräunte Gipfel eines Zitronentörtchens.

P. S. for interested knitters: I chose Karen Noe Shetland 100% uld in shades 0830, 3092, 0802 and Jamieson´s Shetland Spindrift in shades 880, 141 and 182.

Farbenfreude #2

Ja, es ist Zeit für eine Fortsetzung! Nach einem langen, zermürbenden Tag im Büro entstand eine weitere Farbkarte. Eigentlich mag ich Braun und Beige nicht sonderlich, zweifelsohne träumte mein Unterbewusstsein von Schokolade. Vielleicht handelte es sich aber auch um eine Art Farbrückkoppelung. Archäologen verwenden Farbkarten, die zur Bestimmung der Farbe von Bodenproben entwickelt wurden, um die Farbe von Keramikfunden zu bestimmen und zu beschreiben. Das Ergebnis ist einerseits eine Kombination aus Worten, Buchstaben und Zahlen, die für Fachfremde vermutlich eigenartig bis geheimnisvoll anmutet (z. B. „Oberfläche: außen 10YR 5/1, innen 10YR 6/2“), andererseits überanstrengte Augen, weil man stundenlang, konzentriert vergleichend, kleine braune Quadrate an ähnlich braune Scherben hält. Da ist es schon vergnüglicher, unter den Urlaubsfotos einen Schnappschuss von einem Tablett mit Pralinen aus Gips zu finden, der bestens zu der von mir zusammengestellten Farbpalette passt!

Vielleicht haben Sie jetzt Lust bekommen, eigene Farbpaletten/-karten zu entwickeln? Hier einige Tipps. So oberflächlich das auch klingen mag, denken Sie dabei nicht zu viel! Folgen Sie keinen starren Regeln oder Richtlinien, was man tun oder nicht tun darf, wie sie gerne in der Schule eingebläut und von Magazinen vermittelt werden. Schauen Sie einfach, entspannen Sie sich, lassen Sie sich treiben! Spontanität und experimentieren ist angesagt! Es gibt kein richtig oder falsch. Niemand bewertet Sie. Später ist noch genug Zeit, um zu Grübeln und sich intelektuellen Gedankenspielen hinzugeben, falls Sie dazu neigen und eine Farbkarte angefertigt haben, z. B. bei der Jagd nach passenden Fotos.

Schon inspiriert? Hier sind noch einige Bildpaare, die in neutralen Farbnuancen und Gelbtönen schwelgen. Viel Spaß!

P. S. für alle, die gerne stricken: Ich habe Karen Noe Shetland 100% uld in den Farben 0830, 3092, 0802 und Jamieson´s Shetland Spindrift in den Farben 880, 141 und 182 verwendet.

White walls are not for me

Weiße Wände mag ich nicht

„Death of a benevolent moose“ began life as a horizontal strip of wallpaper. After the department I work for moved to new premises, I was given a small room of my own. Alas, my desk is facing a wall and cannot be moved. At first, whenever I lifted my gaze from the computer screen in front of me, my eyes came to rest on a – slightly grubby – white wall. One day I could not bear it any longer. A bare white wall not 80 cm in front of my nose was and is unacceptable. I need variety, beauty and colour to keep my spirits up. So, what to do? I decided to create something charming to look at, that would make me smile. An unusually sized poster (3,5 x 0,7 m) was the solution to my visual quandary. A strip of paper can be easily fixed to a wall without doing any harm.

Crazy wallpaper. | Verückte Tapete.
Much better than a white wall! I admit, it is a bit girlish, but flowers are always nice to look at and I have a soft spot for moose/elk. Is the muzzle of a moose just as soft and velvety as that of a horse, I wonder? | Sieht doch besser aus als eine weiße Wand! Zugegeben, es wirkt ein wenig mädchenhaft, aber Blumen sind immer nett anzusehen und ich habe eine Schwäche für Elche. Ich frage mich, ob die Schnauze eines Elches genauso weich und samtig wie die eines Pferdes ist?

The print proved to be rather ephemeral, it faded. To help me remember the decoration in all its pink glory, I made a book. Naturally. It is a simple leporello with a hard cover. I got carried away and added even more flowers, lengthening the strip considerably. The skull on the cover hints at the fate of the moose gazing benevolently out of the sea of flowers.

Cover of the leporello. | Der Einband des Leporellos.
I was not consciously thinking of paintings by Georgia O´Keeffe, honestly. | Ehrlich, jede Ähnlichkeit mit Gemälden von Georgia O´Keeffe ist blanker Zufall.

Unfortunately I never found the time to write the story of the friendly moose, who ended up dead. Was he petted to death? Did someone kill him for his succulent flesh? Or did he die a natural death after a long and happy life? We will never know.

The book "Death of a benevolent moose". | Das Buch "Death of a benevolent moose".
Fully extended the leporello measures 95 x 11 cm. | Voll ausgezogen ist der Leporello stattliche 95 cm lang, aber nur 11 cm hoch.
The other side of the leporello. | Die Rückseite des Leporellos.
More flowers instead of a story. | Noch mehr Blumen statt einer Geschichte.

Weiße Wände mag ich nicht

„Death of a benevolent moose“ war ursprünglich eine horizontale Tapete. Nach dem Umzug der Institution, für die ich arbeite, erhielt ich ein eigenes kleines Zimmer. Es ist wirklich nett, aber leider steht mein Schreibtisch vor einer Wand und kann nicht umgestellt werden. Die ersten Wochen ruhten meine Augen also jedes Mal, wenn ich den Blick von meinem Computerbildschirm hob, auf der schmuddelig-weißen Wand. Eines Tages reichte es mir. Eine schmucklose weiße Wand 80 cm vor meiner Nase zu haben, war und ist unakzeptabel. Ich brauche Abwechslung, Schönheit und Farbe, um einigermaßen bei Laune zu bleiben. Also, was tun? Ich entschloss mich etwas charmantes zu entwerfen, etwas das mir gelegentlich ein Lächeln entlockte. Die Lösung meines optischen Dilemmas präsentierte sich in Form eines Posters mit ungewöhnlichem Format (3,5 x 0,7 m). Ein Papierstreifen lässt sich leicht (und reversibel!) an der Wand befestigen, ohne dieser Schaden zuzufügen.

Der Ausdruck erwies sich allerdings als leicht vergänglich und wurde mit der Zeit immer blasser. Als Erinnerung an die wilde Dekoration in all ihrer pinken Pracht, fertigte ich ein Buch an. Natürlich! Es handelt sich um einen einfachen, hart gebundenen Leporello. Allerdings konnte ich mich nicht beherrschen und es kamen noch einige – ähem, verdammt viele – Blumen dazu. Dadurch wurde der Streifen um einiges länger. Der Schädel am Cover lässt schon das Schicksal des Elches, der wohlwollend aus dem Blumenmeer blickt, erahnen.

Leider habe ich nie die Zeit gefunden, die Geschichte des freundlichen Elches, der zu Tode kam, zu schreiben. Wurde er ins Jenseits gestreichelt? Hat ihn jemand wegen seines saftigen Fleisches umgebracht? Oder starb er nach einem langen, glücklichen Leben eines natürlichen Todes? Wir werden es nie erfahren.

Kitchen fury

Küchenärger

Cooking is something I do, because I must. I bake gritting my teeth. I detest kitchens. Why anybody would want to live in one is beyond me. An open kitchen cum dining-/livingroom is my worst nightmare. In my opinion it is ridiculous to see kitchen gadgets as status symbols. A fridge and a stove are necessities, not my heart´s desire. And I definitely don´t fancy a pleasant chat with my guests accompanied by the sound of a dishwasher. No, no, no!

My ideal kitchen would be tucked out of the way, at the end of a long corridor, far, far away from my precious library. The room should have a sturdy door, kept closed at all times, and a large window to stare out of when forced to do tedious household chores. To cap it all with a fantasy: The kitchen ought to be self cleaning.

Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.

Oops, here I am ranting about cooking and kitchens although I intended to write about the hidden beauty of vegetables. Take a humble cabbage, for example. I wouldn´t dream of eating it. No, I bought it solely for its visual qualities. After I was done ogling it to my heart´s content, I handed the choice specimen to a friend, who actually appreciates the taste.

Cabbage. | Kohl.
Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.
Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.
Detail of a cabbage. | Detail eines Kohls.
Cabbage. | Kohl.

Küchenärger

Ich koche, weil ich muss. Ich backe zähneknirschend. Ich verabscheue Küchen. Es ist mir unverständlich, dass jemand freiwillig in einer Küche wohnen will. Wohnküchen sind mir daher ein Graus. Welch ein Nachtmahr! Eine Küche ist ein Wirtschaftsraum, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem finde ich es lächerlich, dass Küchengeräte als Statussymbole angesehen werden. Ein Kühlschrank und ein Herd sind eine Notwendigkeit, nicht mein Herzenswunsch. Und ich bin definitiv nicht daran interessiert, dass ein erbauliches Gespräch mit meinen Gästen von den Geräuschen des Geschirrspülers untermalt wird. Nein, nein und nochmals nein!

Meine ideale Küche läge versteckt am Ende eines langen Ganges, weit, weit weg von meiner geliebten Bibliothek. Der Raum sollte eine kräftige, gut abgedichtete Tür haben, die immer geschlossen bleibt, und ein großes Fenster, damit ich bei der Erledigung der langweiligen Haushaltsarbeit zumindest einen Blick ins Freie werfen kann. Vor allem (und hier begeben wir uns endgültig in das Reich der Fantasie): Die Küche sollte selbstreinigend sein.

Oh, weh! Ich hatte eigentlich nicht vor, über Küchen und Kochen zu schimpfen, sondern wollte über die versteckte Schönheit von Gemüse philosophieren. Nehmen Sie zum Beispiel einen bescheidenen Kohl. Nicht im Traum würde ich daran denken, ihn zu essen. Nein, ich kaufe Kohl lediglich wegen seiner optischen Qualitäten. Nachdem ich dieses besonders appetitliche Exemplar ausgiebig von allen Seiten beäugt hatte, reichte ich es an eine Freundin weiter, die den Geschmack von Kohl tatsächlich mag.

Bag gluttony

Taschen-Völlerei

I finally finished the bag I wrote about here.

It turned out bigger than initially intended, mostly because I had too much fun adding pieces. Next time I will draw a pattern first and – hopefully – stick to it. Measuring 55 x 52 x 12 cm the bag is the ideal size for storing copious amounts of yarn. There is a front pocket with a zipper for circular needles and a back pocket large enough to hold a notebook. In my opinion the most covetable bags have pockets galore, therefore I added some more rather commodious ones to the lining. The stencilled decoration and the cloverleaf-appliqué are inspired by potter´s marks on medieval pots and jugs.

Front of the bag. | Tasche von vorne.
Thrift can be beautiful: A second life for torn trousers. | Sparsamkeit kann schön sein: Wiederverwendete zerissene Hosen.
Back of the bag. | Tasche von hinten.
Where to put a journal or short straight knitting needles? In the back-pocket of course. | Wohin mit Notizbuch und Sockenstricknadeln? In die rückwärtige Tasche natürlich.
Still life with bag. | Stilleben mit Tasche.
Burp! Bag after devouering 70 balls of yarn. | Rülps! Tasche, nachdem sie 70 Garnknäuel verschlungen hat.

Amazingly there is still some material left. At the rate I am ruining trousers I will soon be able to sew a smaller bag that I can actually carry with me on a daily basis. One can never have enough bags and purses!

I am really pleased to have created something useful and quite attractive out of torn trousers that would otherwise have ended up as cleaning rags at best.

Taschen-Völlerei

Ich habe endlich die Tasche, über die ich hier geschrieben habe, fertiggestellt.

Sie ist um einiges größer geworden als ursprünglich beabsichtigt, aber das Anfügen von Fleckerln hat einfach so viel Spaß gemacht. Das nächste Mal zeichne ich zuerst einen Schnitt und versuche dann, mich daran zu halten. Die Tasche misst 55 x 52 x 12 cm und ist damit so groß, dass ein beträchtlicher Wollvorrat hineinpasst. An der Vorderseite gibt es eine Tasche mit Reißverschluss, in der sich Rundstricknadeln gut unterbringen lassen. An der Rückseite habe ich eine Tasche, die groß genug für ein Notizbuch und/oder Sockenstricknadeln ist, integriert. Da eine Tasche meiner Ansicht nie genug Seitenfächer und Täschchen haben kann, baute ich ins Futter auch noch einige – recht geräumige – ein. Die schablonierten Muster und das applizierte „Kleeblatt“ aus Filz sind übrigends von Töpfermarken auf mittelalterlichen Töpfen und Krügen inspiriert.

Zu meinem Erstaunen, blieb sogar noch Material über. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der ich Hosen zerreiße, werde ich bald eine kleinere Taschenversion nähen können, die dann aber wirklich alltagstauglich sein soll. Man kann nie genug Taschen und Beutel haben!

Es ist doch schön, dass ich aus den kaputten Hosen, die sonst bestenfalls als Putzlappen geendet hätten, noch etwas Praktisches und Hübsches schneidern konnte.

The joys of May

Maifreuden

The birds do it, the trees do it (hereby giving us pollen-allergies) … Well, to be honest, I think the birds are done by now and suffer the consequences sitting in their nests. So, let us embrace the spirit of the season and enjoy a bit of pornography. Oh, nothing explicit, of course – so do not worry.

I snapped up a book about 18th century erotic prints at a second hand bookstore years ago, because it dealt with a product of the printing trade seldom discussed in art history classes. After a good look and more than one amused snicker, I shelved the book. Other books got shoved on top and in front of it and I forgot its existence. The tome surfaced during this years spring cleaning/book culling, I had a good laugh – again – and decided to cut up the decently sized facsimiles to make collages.

2D-collages are fun to make, 3D-versions can be a bit of a challenge, but who can resist a well constructed pop-up? Properly packaged they are far more satisfying …

The box protecting the pop-up book. | Der Schuber des Pop-up-Buches.
Never judge a book by its box. | Fällen Sie kein Urteil über ein Buch anhand des Schubers.

Imagine a garden with plenty of secluded spots, pavilions, grottos, gazebos and a wilderness. The air is fragrant with the smell of lilac and freshly mown grass. Benches are warm and dry. The foliage is lush and capable to hide a multitude of sins. Two couples are disporting themselves with wild abandon. And in the middle of it all Cupid is watching from his plinth with a fond smile.

Pop-up book showing a garden and two couples. | Pop-up-Buch,  das eine Gartenszene mit zwei Pärchen zeigt.
Fresh air and exercise. | Leibesübungen an der frischen Luft.
Pop-up book showing a garden and a couple. | Pop-up-Buch,  das eine Gartenszene mit einem Pärchen zeigt.
Cupid is watching. | Cupido sieht zu.

Maifreuden

Die Vögel tun es, die Bäume tun es (dabei schenken sie uns Pollenallergien) … Na ja, um ehrlich zu sein, ich glaube die Vögel sind fertig damit und baden jetzt, in ihren Nestern sitzend, die Konsequenzen aus. Wie auch immer, genießen wir Sturm und Drang des Spätfrühlings und ein wenig Pornografie. Nur keine Sorge, natürlich nichts Explizites.

Ich habe vor Jahren in einem Laden für gebrauchte Bücher einen ziemlichen Wälzer über erotische Druckgrafik des 18. Jahrhunderts erworben, einfach weil diese Produkte des Verlags- und Druckwesens kaum in Vorlesungen zur Kunstgeschichte abgehandelt werden. Nach genauer Betrachtung und öfterem amüsiertem Kichern, stellte ich das Buch ins Regal. Promt landeten andere Bücher auf und vor ihn und ich vergaß den Band. Heuer tauchte er während des Frühjahrsputzes/der Bibliotheksbereinigung wieder auf, ich brach nochmals in schallendes Gelächter aus und beschloss, die recht großen Faksimiles zu zerschneiden, um Material für Collagen zu gewinnen.

2D-Collagen machen Spaß, 3D-Versionen sind eine Herausforderung, aber wer kann schon einem gut konstruierten Pop-up wiederstehen? Schön verpackt sind sie doppelt befriedigend.

Stellen Sie sich also einen Garten vor, mit vielen lauschigen Plätzchen, Pavillons, Grotten und einem naturbelassenen Wäldchen. Es duftet nach Flieder und frisch gemähtem Gras. Die Bänke sind trocken und warm. Üppiges Blattwerk liefert die perfekte Deckung. Zwei Pärchen vergnügen sich ausgelassen. Und Cupido wacht auf einem Sockel stehend, mit zärtlichem Lächeln über das fröhlichen Treiben.

Colour bliss #1

Farbenfreude #1

Breathe in! Breathe out! Breathe in! Breathe out!

Sorry, just kidding!

Whenever I am truly upset I reorganise my stash of yarn (chopping wood or rearranging the furniture is out of the question) – mostly by colour. Somehow the activity is soothing. As I prefer to knit with pure wool I am spoilt for choice. The possible colour combinations are almost endless. Sometines I create shade cards, most of the time I am too lazy to bother. This is going to change with the blog. (Who says January 1st is the day for good intentions?)

Playing with shades of blue, orange and a few neutrals I was reminded of happy days spent at the seaside – a rare treat for someone living in Vienna. It is not just the sea I find fascinating. Although the illusion of freedom the huge expanse of water conveys feels strangely liberating and the monotonous murmering of the surf is calming, I love beaches even more. They provide so many visual stimuli – from interesting pebbles and shells to seagulls, boats and fishing paraphernalia.

Here is the palette I liked best (I came up with quite a few colour combinations, but kept only this one):

Detail of a fishing net and shade card. | Detail eines Netzes für den Fischfang und Farbkarte.
Detail of a bundled fishing net and the palette I finalized by winding thread in tidy stripes around a piece of cardboard. | Detail eines zusammengerollten Fischernetzes und die Farbkarte, die ich schuf, indem ich Fäden in Streifen um einen Karton wickelte.

By the way, I selected the matching picture after I created the shade card, but you can also do it the other way around.

P. S. for interested knitters: I used Karen Noe Shetland 100% uld in shades 4159, 0732, 4153, 0802 and Jamieson´s Shetland Spindrift in shade 462.

Farbenfreude #1

Einatmen! Ausatmen! Einatmen! Ausatmen!
Keine Angst, ich scherze nur!

Wenn mich etwas wirklich aufregt, dann ordne ich meinen Vorrat an Garnen neu (Holzhacken oder Möbelrücken kommt leider nicht in Frage) – zumeist nach Farben. Irgendwie beruhigt mich das. Da ich gerne mit reiner Wolle stricke, habe ich eine große Auswahl an Farben zur Verfügung und kann nach Herzenslust kombinieren. Die Möglichkeiten für Farbzusammenstellungen sind fast grenzenlos. Manchmal halte ich die Ergebnisse in Farbkarten fest, meist bin ich dafür aber zu faul. Das wird sich mit dem Blog ändern! (Wer sagt, dass man gute Vorsätze nur am ersten Jänner fassen kann?)

Als ich unlängst mit Knäuel in blauen, orangen und neutralen Farbtönen spielte, erinnerte ich mich an glückliche Tage, die ich am Meer verbracht hatte – ein seltenes Vergnügen für jemanden, der in Wien wohnt. Ich bin ja nicht nur vom Meer fasziniert. Obwohl mir die unendliche Weite des Wassers ein Gefühl der Freiheit vermittelt und das monotone Gemurmel der Brandung entspannend ist, mag ich Strände noch viel lieber. Sie bieten wunderbare optische Stimuli – von interessanten Steinen und Muscheln bis zu Möwen, Booten und was man sonst noch für den Fischfang braucht.

Hier ist die Farbkombination, die mir am besten gefiel (Ich habe einige Zusammenstellungen ausprobiert, aber nur diese eine behalten).
Das Bild habe ich übrigends erst später dazugesucht, Sie können aber auch umgekehrt vorgehen.

P. S. für alle, die gerne stricken: Ich habe Karen Noe Shetland 100% uld in den Farben 4159, 0732, 4153, 0802 und Jamieson´s Shetland Spindrift in der Farbe 462 verwendet.

Confessions of a wastepaper lover

Bekenntnisse einer Altpapier Liebhaberin

Years ago the amount of chewing gum I consumed was excessive – for a short time at least. I would have preferred chocolate, but given my proclivity to put on weight, that was not an option. There I sat chewing gum like a cow chews cud – mechanically and with determination – to distract myself from acute physical discomfort and boredom. In the end it was no use, but I was left with hundreds of pretty chewing gum wrappers – the inner layer of a certain brand that came in metallic greens, blues, orange, pink …

Taking into account my mild obsession with paper, the outcome was inevitable: Miniature books. For their covers scraps of printed paper left over from other projects came in handy. To hold chewing gum wrappers and front/back covers together I used long stitch in combination with coptic binding, which was quite fiddly to work at that size. The finished books are just 4,8 x 5,6 cm in size. Pretty, aren´t they?

Five little books made from reused paper. | Fünf kleine Bücher aus wiederverwendetem Altpapier.
Ode to pretty packaging: Lots of chewing gum wrappers turned into little books. | Ode an hübsche Verpackungen: Aus einer Menge Kaugummipapier werden kleine Bücher.

Cover and spine of one of the books. | Deckel und Rücken eines der Bücher.
Long stitch in combination with coptic binding at this size requires patience and deft hands. | Für Langstich und Kettenstich braucht man bei diesem Buchformat Geduld und geschickte Hände.
A view inside of one of the books. | Ein Blick in das Innere eines Buches.
Blue and orange chewing gum wrappers interspersed with pages made of printed transparent paper. | Seiten aus bedrucktem Transparentpapier sind zwischen blauem und orangem Kaugummipapier eingeschoben.

Bekenntnisse einer Altpapier Liebhaberin

Vor einigen Jahren konsumierte ich für kurze Zeit Unmengen Kaugummi. Schokolade wäre mir lieber gewesen, doch angesichts der Tatsache, dass ich leicht zunehme, musste ich mir diese verkneifen. Also saß ich da wie eine widerkäuende Kuh und kaute mechanisch und entschlossen, um mich von akutem körperlichen Unbehagen und Langeweile abzulenken. Genützt hat es natürlich nicht, aber immerhin verblieben mir hunderte Kaugummipapiere einer bestimmten Marke, die mit metallischen Grün- und Blautönen, Orange, Pink etc. erfreuten.

Da ich eine Leidenschaft für Papier hege, war klar worauf es letztlich hinauslaufen würde: Miniaturbücher. Für die Umschläge verwendete ich den Verschnitt von bedrucktem Papier, der von anderen Projekten übrig geblieben war. Um alles zusammenzuhalten, kombinierte ich Langstich und Kettenstich, letzterer war ein unglaubliches Gefummel. Die fertigen Büchlein sind nur 4,8 x 5,6 cm groß. Hübsch, nicht wahr?