The Death Of A White Giant

Der Tod eines Weißen Riesen

Reader, I ate him! But do not worry, no warm-blooded being suffered. My friends and I call the common cauliflower jokingly „White Giant“.

Mother, who knew I was planning a still life, bought a rather mangled specimen – why do they always chop off the leaves? – plus a plump kohlrabi with tiny leaves ravaged by caterpillars. Though slightly drooping due to languishing in my kitchen for two days, both vegetables retained their lovely texture, pleasing form and subtle colour. As you can see, my models worked hard and gave their best.

Cauliflower, kohlrabi and two piteous potatoes awaiting their foreseeable end. | Karfiol, Kohlrübe und zwei klägliche Kartoffeln warten auf ihr vorhersehbares Ende.
Off you go into the pot! | Ab in den Topf!
The remains of the „White Giant“. Can you see the kohlrabi quivering? She was spared the knife, by the way. | Was vom Karfiol übrig blieb. Sehen Sie wie die Kohlrübe zittert? Sie musste übrigens nicht unters Messer.
He was a great cauliflower to the end, surprisingly tender and succulent. | Er war ein guter Karfiol bis zuletzt, erstaunlich zart und saftig.

That night I dreamt about negotiating the film rights for Episode 2: The Revenge of the White Giant.

Der Tod eines Weißen Riesen

LeserInnen, Ich habe ihn gegessen! Keine Sorge, kein warmblütiges Wesen musste leiden. Es ist der gewöhnliche Karfiol, den meine Freunde und ich scherzend „Weißer Riese“ nennen.

Mutter wußte, dass ich ein Stillleben plante, und kaufte mir einen übel zugerichteten Karfiol. Warum werden eigentlich die Blätter immer so brutal abgehackt? Hinzu kam eine Kohlrübe mit winzigen, von Raupen zerfressenen Blättern. Obwohl die beiden Gemüse zwei Tage in meiner Küche dahinsiechten und schon etwas schlaff waren, behielten sie ihre wunderbare Textur, gefällige Form und subtile Farben. Überzeugen Sie sich selbst, wie hart meine beiden Modelle gearbeitet und ihr Bestes gegeben haben.

In der Nacht träumte ich davon, die Filmrechte für „Episode 2: Die Rache des Weißen Riesen“ zu verhandeln.

Bloodsuckers beware

Blutsauger aufgepasst

Presumably the Wienerwald is free of vampires at this time of the year. A faint, but pervasive fragrance of garlic wafts through the air, due to an abundance of wild garlic (allium ursinum). It is a pretty plant, but – alas – quite smelly.

As wild garlic is edible, culinary minded Viennese can be seen happily grazing, ahem, picking leaves. Personally I would not dream of eating wild garlic, it does not agree with me. The flowers, however, look quite nice in a small vase.

The wooded areas of Pötzleinsdorfer Park turn into a veritable sea of white flowers. | Ein Meer aus weissen Blüten bedeckt den Boden der bewaldeten Teile des Pötzleinsdorfer Parks.
A profusion of wild garlic. | Bärlauch im Überfluss.
Bringing nature home: Wild garlic and other wildflowers pose for an impromptu still life. | So bringt man die Natur in die Wohnung: Bärlauch und andere Wildblumen posieren für ein improvisiertes Stillleben.

Blutsauger aufgepasst

Im Wienerwald treiben sich in dieser Jahreszeit vermutlich keine Vampire herum. Schließlich durchzieht der schwache, aber hartnäckige Duft von Knoblauch die Frühlingsluft. Ja, es ist wieder so weit: der Bärlauch (Allium ursinum) sprießt üppig! Die Pflanze ist hübsch, aber leider nicht gerade wohlriechend. Da Bärlauch essbar ist, sind des Öfteren auch glücklich weidende – räusper, Blätter zupfende, kulinarisch gesinnte Wiener zu beobachten. Ich für meinen Teil würde nicht im Traum daran denken, irgendetwas mit Bärlauch als Zutat zu essen, er bekommt mir nicht. Aber die Blüten mag ich, sie sehen in kleinen Vasen recht hübsch aus. Wenn sie nur nicht so müffeln würden!

Forced Diet

Zwangsdiät

„You have grown fat over the past year,“ remarks bunny No. 1.
„That´s not fat, that´s pure muscle,“ retorts the thus criticised, very round bunny No. 2. „See?“ It sucks in its belly.
„Now you are hunchbacked,“ snickers bunny No. 1. „No more chocolate eggs for you, my friend. From now on lettuce and carrots will be the only items on the menu. Resistance is futile, I have found your secret stash.“
Bunny No. 2 hunkers down. Its lower lip trembles and a tear forms in the corner of its eye. „As you wish.“

Still life with different lettuces and carrots on an wooden table. A wall chart showing two rabbits leans on the wall. | Stillleben mit unterschiedlichen Salaten und Karotten auf einem Tisch aus Holz. An der Wand lehnt eine Schulwandtafel, die zwei Hasen zeigt.
Lots of lettuce for an unhappy bunny. | Jede Menge Grünzeug für ein trauriges Häschen.

Zwangsdiät

„Du hast im letzten Jahr ganz schön zugenommen,“ stellt Häschen Nr. 1 fest.
„Das ist kein Fett, das sind alles Muskeln,“ entgegnet ein sehr rundes Häschen Nr. 2, dem es gar nicht gefällt, derartig kritisiert zu werden. „Schau,“ es zieht den Bauch ein.
„Jetzt hast du einen Buckel,“ kichert Häschen Nr. 1. „Die Schokoladeeier sind getrichen, mein Freund. Ab sofort stehen nur noch Salat und Karotten am Speisezettel. Widerstand ist zwecklos, ich habe deine geheimen Vorräte gefunden und konfisziert.“
Häschen Nr. 2 kauert sich zusammen. Seine Unterlippe bebt und eine Träne formt sich im Augenwinkel. „Wie du wünschst.“

An exercise in fork-throwing

Gabelweitwurf

It does not bode well for the lamb-shaped cake, when I rise at 7 o´clock and am in a rage by 9 o´clock.
Lesson learned: Never check the news and your e-mails before your first cup of tea and a nibble at something delicious

Wenn ich um 7 Uhr aufstehe und bereits um 9 Uhr vor Wut koche, stehen die Zeichen schlecht für lammförmige Kuchen.
Die daraus gelernte Lektion: Lies niemals die Nachrichten oder deine E-Mails vor dem Genuss einer Tasse Tee und einem delikaten Häppelchen.

Still life of a lamb-shaped cake stuck with forks, placed on a wooden platter. | Stillleben mit lammförmigen Kuchen in dem Gabeln stecken, serviert auf einem Holzteller.
Don´t get me wrong, I love sheep. | Verstehen Sie das Bild nicht falsch, ich mag Schafe.

Winter vegetables

Wintergemüse

Vienna in winter bears a strong resemblance to a used lead coffin: bleak, grey and slightly damp. These days the weekly, stressful trip to the supermarket provides the only opportunity to acquire anything colourful to lift the spirits. Yes, you have guessed it: once again I have turned to my larder for visual sustenance. Peppers, beetroot and a stray onion made my day.

The peppers were practically glowing, whereas a beautiful head of lettuce offered subtle shades of green and purple. The colours of its flouncy leaves are in perfect harmony with the jade green of a swede – a vegetable whose taste I detest.

Wintergemüse

Wien im Winter gleicht in unheimlicher Weise einem gebrauchten Bleisarg: trostlos, grau und ein wenig feucht. Heutzutage ist der wöchentliche, nervenaufreibende Einkauf leider die einzige Möglichkeit irgendetwas Farbenfrohes zu erwerben, um die Stimmung ein wenig zu heben. Ja, Sie haben richtig geraten: ich habe auf der Suche nach Nahrung für die Augen wieder einmal meine Speisekammer geplündert. Paprika, rote Rüben und eine vereinsamte Zwiebel retteten meinen Tag.

Die Paprika leuchteten geradezu, ein prächtiger Salat hingegen entzückte mit einer Vielzahl an feinen Grün- und Purpurtönen. Das Jadegrün einer Kohlrübe – ein Gemüse, dessen Geschmack ich von Herzen verabscheue – lieferte eine stimmige Ergänzung zu seinen gerüschten Blättern.

Cookie Failure

Keksversagen

Christmas offers an excellent excuse to stuff oneself with cookies and chocolates. While the latter are available in good quality, it is advisable to bake Vanillekipferl, Zimtsterne, Schokobusserl & Co oneself. Homemade cookies simply taste better than the preservative ladden varieties sold in supermarkets from the beginning of September.

Alas, every Christmas I am faced with the same problem: my cookies always turn out misshapen. Inevitably when I pull them out of the oven they are either flat, amorphous, unintentionally crooked or sunken in the middle. Tasty morsels for sure, but not pretty. So swaps of baked goods are out. However, with a little luck I occasionally receive gifts, otherwise my still lifes would be sadly devoid of Christmas cookies.

Still life with cookies, teapot and ribbon. | Stillleben mit Weihnachtskeksen, Teekanne und Geschenkband.

Keksversagen

Es gibt keine schönere Entschuldigung sich mit Keksen und Schokolade vollzustopfen als Weihnachten. Letztere ist mittlerweile in guter Qualität erhältlich, hingegen empfiehlt es sich, Vanillekipferl, Zimtsterne, Schokobusserl & Co selbst zu backen. Eigenbau-Kekse schmecken einfach besser als die vor Konservierungsmittel strotzenden Sorten, die es ab Anfang September im Supermarkt zu kaufen gibt.

Ich habe leider ein kleines Problem. Alle von mir gebackenen Kekse sind missgestaltet, egal wie sehr ich mich bemühe. Wenn ich das Backblech aus dem Ofen ziehe, fällt mein Blick unweigerlich auf Kekse, die entweder superflach (weil kreisförmig auseinander geronnen), amorph, unbeabsichtigt gekrümmt oder in der Mitte eingefallen sind. So gut sie schmecken, schön sind sie nicht. Das disqualifiziert sie natürlich auch für den freundschaftlichen Austausch von Backwaren. Glücklicherweise bekomme ich manchmal Kekse geschenkt, sonst könnte ich kein Stillleben mit Weihnachtsgebäck fotografieren.

Elusive apples

Schwer zu findende Äpfel

Every autumn I go on a quest for old apple varieties. They simply taste better. Firm flesh or mealy fruit pulp, juicy or just moist, cloyingly sweet or slightly sour, there really is an apple for every occasion. Personally I love any variety of Renette (Ananasrenette, yum!), Cox´s Orange (for delicious apple tarts!), Chrysofsker, Maschansker, Boskoop (stuffed with nuts and wine-soaked raisins!), to name just a few.

I am also drawn by colour and shape of apple varieties beyond what is available in supermarkets. Small blemishes are welcome too – they give an apple charakter. After all, pretty apples I bring home have to model – before they are peeled, sliced, diced or bitten.

Still life comprising old books, a bowl with apples and glassware. | Stillleben mit alten Büchern, einer Schale mit Äpfeln und Glasgefäßen.
What better represents the season: Apples, lots of old books and a cordial. | Passend zur jahreszeitlichen Stimmung: Äpfel, viele alte Bücher und flüssige Stärkung.
Oval, silver platter with five yellow apples. | Ovale, silberne Vorlegeplatte mit fünf gelben Äpfeln.
Thou shalt remain unnamed! Probably the best apples I have ever eaten, unfortunately I could not identify the variety. | Auf immer Namenlos! Mit großer Wahrscheinlichkeit die besten Äpfel, die ich je gegessen habe. Leider konnte ich die Sorte nicht herausfinden.

Schwer zu findende Äpfel

Kaum ist es Herbst, begebe ich mich auf die Suche nach alten Apfelsorten. Sie schmecken mir einfach bessser. Festes Fleich oder eher mehlige Beschaffenheit, safttropfend oder lediglich feucht, übermäßig süß oder leicht säuerlich, es gibt wirklich für jede Gelegenheit einen Apfel. Am liebsten mag ich sämtliche Renetten-Sorten (Ananasrenette, schmatz!), Cox´s Orange (für leckere Apfelkuchen), Chrysofsker, Maschansker, Boskoop (gefüllt mit Nüssen und in Wein getränkten Rosinen!), um nur einige zu nennen.

Besonders anziehend finde ich die Farben und Formen der Apfelsorten, die eben nicht in jedem Supermarkt erhältlich sind. Der eine oder andere Makel ist mir durchaus willkommen – immerhin verleiht er einem Apfel Charakter. Schließlich müssen hübsche Äpfel, die mit mir nach Hause kommen dürfen, Modell stehen – bevor sie geschält, geviertelt, gewürfelt oder gebissen werden.

Surprise Salad

Überraschungssalat

Greens are purportedly good for you, so occasionally I indulge. Radicchio, however, is a challenge. To be honest I only buy it because I like the colour. The making of a salad was in full swing when it occured to me that the bitter purple leaves are a perfect match for pink and the wonderfully mottled cover of an old tome of Schorers Familienblatt (1883).
Salad be damned, I felt like arranging an impromptu still life. A healthy lunch is overrated.

Take two leaves of radicchio and two dried pink ranuncula. Add a little lace left from a torn ballgown and a tiny portrait of a woman. Garnish with a garish postcard. Serve on an edifying tome. | Man nehme zwei Radicchioblätter und zwei pinkfarbene getrocknete Ranunkeln. Füge eine Prise Spitze von einem zerrissenen Ballkleid und ein Miniaturporträt einer Frau hinzu. Garniere es mit einer grellen Postkarte. Auf einem erbaulichen Buch servieren.

Überraschungssalat

Grünzeug soll ja bekanntlich gesund sein, also gönne ich es mir gelegentlich. Radicchio ist allerdings eine Herausforderung. Ehrlich gesagt kaufe ich ihn nur wegen seiner schönen Farbe. Ich war also schwungvoll dabei einen Salat zuzubereiten, als mir der Gedanke kam, dass die bitteren purpurnen Blätter ausgezeichnet zu Pink und dem wunderbar gesprenkelten Einband von Schorers Familienblatt (1883) passten.
Zum Teufel mit dem Salat! Ich hatte Lust ein spontanes Stillleben zu arrangieren. Ein gesundes Mittagessen wird überschätzt.

Purple food to feast your eyes on

Augenschmaus: Gesundes in Lila

For me shopping for groceries is a tedious affair, with the exception of fruit and vegetables. It is a joy to look at their multitude of shapes, textures and colours. Take lettuce, for example. The variety of leaves – rounded, gently undulating, ribbed, with jagged edges, smooth yet pointed, etc. – is quite stunning. The pattern of veins on the skin of a melon! The weirdness of mushrooms! And don´t get me started on the colours of peaches, those little portable sunsets!

I always try to pick the prettiest fruit and vegetables. More often than not they have to pose in front of my camera, before they are eaten (with the exception of broccoli, the dastardly little trees are only fit for flower arrangements). My nerves are a bit frayed at the moment and I caught myself sorting close ups and simple still lifes according to colour …

Swaddeled mango. | Züchtig verhüllte Mango.
Frozen blueberries. Look at the intriquing texture! | Gefrorene Heidelbeeren mit faszinierender Struktur.
Beans: pleasingly speckled on the outside, silky smooth on the inside. | Bohnen: Außen hübsch gefleckt, innen seidig glatt.
Red cabbage – elegant, isn´t it? | Rotkraut, ganz elegant.
Beetroot: the swirls of colour came as a surprise. | Als Rote Rübe gekauft, waren die Farbkringel eine Überraschung.

Augenschmaus: Gesundes in Lila

Der Einkauf von Lebensmitteln ist für mich eine langweilige Sache, mit Ausnahme von Obst und Gemüse. Den Anblick ihrer unterschiedlichen Formen, Texturen und Farben genieße ich. Denken Sie einmal an Salat. Die Vielfalt der Blätter – gerundet, leicht gewellt, gerippt, mit gekräuselten Rändern, glatt aber gespitzt, etc. – ist doch erstaunlich. Die von den Adern auf der Haut einer Netzmelone geformten Muster! Die bizarren Formen von Pilzen! Und über die Farben von Pfirsichen, diesen kleinen tragbaren Sonnenuntergängen, fange ich am besten gar nicht erst zu schreiben an!

Ich versuche immer, besonders hübsches Obst und Gemüse auszuwählen. Schließlich muss es oft noch schnell vor meiner Kamera posieren, bevor es gegessen wird (ausgenommen Broccoli, die hinterhältigen Bäumchen sind nur für Blumenarrangements geeignet). Im Moment bin ich reichlich mit den Nerven herunter und habe mich dabei ertappt, Nahaufnahmen und einfache Stilleben nach Farbe zu sortieren …