Surprise Salad

Überraschungssalat

Greens are purportedly good for you, so occasionally I indulge. Radicchio, however, is a challenge. To be honest I only buy it because I like the colour. The making of a salad was in full swing when it occured to me that the bitter purple leaves are a perfect match for pink and the wonderfully mottled cover of an old tome of Schorers Familienblatt (1883).
Salad be damned, I felt like arranging an impromptu still life. A healthy lunch is overrated.

Take two leaves of radicchio and two dried pink ranuncula. Add a little lace left from a torn ballgown and a tiny portrait of a woman. Garnish with a garish postcard. Serve on an edifying tome. | Man nehme zwei Radicchioblätter und zwei pinkfarbene getrocknete Ranunkeln. Füge eine Prise Spitze von einem zerrissenen Ballkleid und ein Miniaturporträt einer Frau hinzu. Garniere es mit einer grellen Postkarte. Auf einem erbaulichen Buch servieren.

Überraschungssalat

Grünzeug soll ja bekanntlich gesund sein, also gönne ich es mir gelegentlich. Radicchio ist allerdings eine Herausforderung. Ehrlich gesagt kaufe ich ihn nur wegen seiner schönen Farbe. Ich war also schwungvoll dabei einen Salat zuzubereiten, als mir der Gedanke kam, dass die bitteren purpurnen Blätter ausgezeichnet zu Pink und dem wunderbar gesprenkelten Einband von Schorers Familienblatt (1883) passten.
Zum Teufel mit dem Salat! Ich hatte Lust ein spontanes Stillleben zu arrangieren. Ein gesundes Mittagessen wird überschätzt.

The joy of natural materials

Naturmaterialien, immer ein Genuss

It seems to be a good year for roses, they are flowering in abundance and are particularly beautiful to boot. When I chose this still life for the blog it was not the roses that got me thinking though. The spools (hand-me-downs from my mother and fleamarket finds) caught my attention.

Lately I have seen a lot of pictures documenting the appalling amount of plastic on beaches and in the sea. To be frank, I was shocked. So many things are ­made of plastic these days – quite needlessly! There are other materials available that have proven their usefullness in the past. Look at this picture for example. Thread does not have to be wound onto plastic spools, paper or wood do the job just as well and are far more pleasing to touch. They look nicer, too. The same goes for toys. Admit it, the little wooden dog is charming. Made of plastic it would just look tacky.

Plastic has its uses and advantages, of course. Sometimes it cannot be avoided or improves a product. It is not a „bad“ material per se. But in many cases we could do without plastic. Unfortunately it is not the consumer who decides what materials are used for certain products or parts thereof, but industries geared to maximize gain for a priviledged few. Not buying things made of plastic is simply not an option for most of us, for various reasons from affordability to availability. But we can choose what we buy carefully, source alternatives and above all collect, recycle and dispose of garbage responsibly. And, please, do not leave rubbish in public places, others would like to enjoy the unspoiled beauty of beaches, parks etc. too.

Naturmaterialien, immer ein Genuss

Es scheint ein gutes Jahr für Rosen zu sein, sie blühen überaus üppig und sind dabei auch noch besonders schön. Es waren jedoch nicht die Rosen, die mich bei der Auswahl dieses Stilllebens für den Blog nachdenklich stimmten. Meine Aufmerksamkeit wurde von den Garnspulen (teils aus dem Fundus meiner Mutter, teils Flohmarktfunde) gefesselt.

Ich habe in letzter Zeit viele Bilder gesehen, die erschreckende Mengen von Plastikmüll auf Stränden und im Meer zeigen. Ehrlich gesagt, ich war schockiert. Es werden heutzutage so viele Dinge aus Plastik hergestellt, ohne dass dafür eine Notwendigkeit bestünde. Es gibt andere Materialien, die ihre Nützlichkeit in der Vergangenheit bewiesen haben. Werfen Sie einen Blick auf das Bild. Faden muss nicht auf Plastikspulen gewickelt sein, Papier oder Holz erfüllen die Aufgabe genauso gut und fühlen sich viel besser an. Sie sehen auch hübscher aus. Dasselbe gilt für Spielzeug. Geben Sie zu, der charmante kleine Hund ist niedlich. Wäre er – womöglich aus buntem – Plastik, würde er eher billig und geschmacklos wirken.

Natürlich hat Plastik seine Vorteile und kann überaus nützlich sein. Manchmal lässt sich seine Verwendung nicht vermeiden, ein andermal verbessert es ein Produkt. Plastik an sich ist kein „schlechtes“ Material. Aber in vielen Fällen ginge es auch ohne. Leider entscheiden nicht die KonsummentInnen welches Material für einen Gegenstand oder einen Teil davon zum Einsatz kommt sondern Unternehmen, die bestrebt sind den maximalen Gewinn für eine kleine Zahl an Privilegierten herauszuholen. Der Erwerb von Dingen aus Plastik ist für die meisten von uns aus den unterschiedlichsten Gründen, von der Leistbarkeit bis zur Verfügbarkeit, kaum zu vermeiden. Doch wir können mit Bedacht entscheiden, was wir kaufen, nach Alternativen suchen, vor allem aber sammeln, recyceln und verantwortungsvoll mit Abfall umgehen. Also lassen Sie bitte nicht Ihren Müll an öffentlichen Orten zurück, auch andere Menschen möchten die unverdorbene Schönheit von Stränden, Parks etc. genießen.

In the mood for yellow

In gelber Stimmung

Happy New Year!

Looking back, have you ever inadvertently developed a penchant for a specific colour? I seem to have done so. Archiving photos I have taken in 2019 I happend to notice that the colour yellow cropped up more often than usual. Was it pure coincidence, an unconcious decision or due to subject matter? Who knows? Here are a few examples:

In gelber Stimmung

Alles Gute im neuen Jahr!
Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie zurückblicken und feststellen, unbemerkt eine Vorliebe für eine bestimmte Farbe entwickelt zu haben? Mir scheint das passiert zu sein. Als ich die im Jahr 2019 aufgenommenen Fotos archivierte, fiel mir auf, dass die Farbe Gelb erstaunlich oft auf den Bildern auftaucht. Reiner Zufall, eine unbewusste Entscheidung oder doch nur auf die Bildthematik zurückzuführen? Wer weiß? Hier einige Beispiele:

Still life with decanter and sweets. | Stillleben mit Flasche und Süssigkeiten.
An amber liquid, I don´t remember whether it was juice or herbal tea, went well with delicious sweets. | Eine bernsteinfarbene Flüssigkeit – entweder Saft oder Kräutertee, ich kann mich nicht mehr erinnern –­ macht sich gut mit leckeren Süßigkeiten.
Still life with book and yellow flowers. | Stillleben mit Buch und gelben Blumen.
Dried miniature daffodils and yellow roses accompany a beautiful book of Alfred, Lord Tennison´s poems. | Ein Buch mit Gedichten von Alfred, Lord Tennyson umringt von getrockneten Miniaturmärzenbechern und gelben Rosen.
Two pictures of a plant from the Proteacea family. | Zwei Fotos einer Pflanze aud der Familie der Proteaceen.
When I bought this cut flower, a member of the family Proteaceae, I was more interested in form and structure than in colour. | Zum Kauf dieser Schnittblume aus der Familie der Proteaceen verführten mich Wuchs und Struktur, nicht die Farbe.
White/yellow speckled knitted scarf with yellow and grey stripes. | Weiß-Gelb gesprenkeltes gestricktes Tuch mit gelben und grauen Streifen.
Twice I chose yellow deliberately: I bought cloth with a pattern in yellow and grey on off-white to make a bag. Later in the year I designed and knitted this scarf to match, because I like colour coordinated accessories. | Zweimal wählte ich Gelb ganz bewusst: Um mir eine Tasche zu nähen, habe ich einen Stoff mit einem Muster in Gelb und Grau auf naturweißem Untergrund gekauft. Später im Jahr entwarf und strickte ich dazu ein Tuch, weil ich gerne farbkoordinierte Accesoires trage.

Autumn Blues

Herbstschwermut

Mist swirled through the wintry air and a woman of no consequence passed an old street vendor.
„Fair lady, what shall it be? The apple of oblivion or the flower of wisdom?“, cried he.
„Give me both, I am in dire need!“, the distressed woman replied. „If the flower does not grant me the insight how to solve my plight, than to be forgotten would be best.“
„Beware of what you wish for“, warned the old man.
„I will“, promised the lady and went home.
Years later a wrecking crew found a picture in her derelict house. Of the woman there was no trace and nobody remembered who had once lived in the small cottage at the end of the road.

Stillleben mit gelben Chrysanthemen und Äpfeln. | Still life with yellow chrysanthemums and apples.

Herbstschwermut

Nebelschwaden hingen in der winterlichen Luft und eine unbedeutende Frau ging an einem Straßenverkäufer vorbei.
„Gnädige Frau, was darf es sein? Der Apfel der Vergessenheit oder die Blume der Weisheit?“ rief er ihr nach.
Geben Sie mir beides, ich brauche es dringend!“, antwortete die unglückliche Frau. Wenn mir der Rat der Blume nicht aus meiner misslichen Lage hilft, wäre es am besten vergessen zu werden.“
„Nimm dich in Acht vor deinen Wünschen“, warnte der alte Mann.
„Das werde ich“, versprach die Dame und ging nach Hause.
Jahre später fand das Team einer Firma für Abbrucharbeiten eine Fotografie in ihrem verfallenen Haus. Von der Frau gab es keine Spur und niemand erinnerte sich daran, wer in dem Häuschen am Ende der Straße gelebt hatte.

Feast! Spot the difference – 5

Fest! Finde den Unterschied – 5

Tempus fugit. Time flies. Photography stops the clock for a second and preserves an eye-blink for eternity (in theory, at least). With luck it captures the perfect moment. I will always remember the day I took these pictures fondly.

Tempus fugit. Die Zeit vergeht wie im Flug. Die Fotografie hält die Uhr für eine Sekunde an und friert einen Augenblick für die Ewigkeit ein (zumindest in der Theorie). Mit etwas Glück gelingt es, den perfekten Moment einzufangen. Ich werde mich immer gerne an den Tag, an dem ich diese Fotos aufgenommen habe, erinnern.

Still life with sweet food and coffee-service. Phase 5. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice. Phase 5.

Feast! Spot the difference – 4

Fest! Finde den Unterschied – 4

The objective of this photographic project was to document change. I made no attempt to obtain technically perfect pictures. My flat is tiny, therefore the use of a softbox is not an option. So, do I post process images? Sometimes, but I try to keep interventions at a minimum. More often than not I like the authenticity of a slightly flawed photo.

Das Ziel dieses fotografischen Projektes war es, Veränderungen zu dokumentieren. Ich habe nicht versucht technisch perfekte Aufnahmen zu erhalten. Meine Wohnung ist winzig, deshalb habe ich auch keinen Platz für eine Studioleuchte. Bearbeite ich die Bilder also nach? Manchmal, aber ich versuche die Eingriffe möglichst gering zu halten. Meist gefällt mir die Autentizität eines mit kleinen Fehlern behafteten Fotos.

Feast! Spot the difference – 3

Fest! Finde den Unterschied – 3

Must objects be immaculate to be beautiful? I think not. More often than not the imperfect, even decay, is far more interesting. But it takes more than a swift glance to recognise and appreciate this inherent beauty. For example, look at the coffee-service I used for my still life. It is incomplete and slightly battered. The lid of the coffee pot has lost its knob. Time has wounded it, but the coffee pot has retained its charm, not least because it has a story to tell. Originally produced in England by W. T. Copeland & Sons, Stoke on Trent, in December 1888/January 1889, the coffee-service was brought to Vienna. Perhaps it was once the pride of its owner. Time passed, cups broke, the little jug for milk started to leak and was also thrown away, finally the design went out of fashion. By now unloved, the few remaining pieces were given to a charity shop, where I picked them up as props. One persons trash, is another persons treasure.

Still life with sweet food and coffee-service. Phase 3. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice. Phase 3.

Fest! Finde den Unterschied – 3

Sind nur makellose Dinge schön? Ich glaube nicht. Oft ist das nicht Perfekte viel interessanter, das gilt sogar für Verfallenes. Allerdings bedarf es mehr als nur einen flüchtigen Blick, um diese Objekten innewohnende Schönheit zu erkennen und wertzuschätzen. Sehen Sie sich zum Beispiel das Kaffeeservice auf meinem Stillleben an. Es ist nicht vollständig und sieht schon ziemlich mitgenommen aus. Der Deckel der Kanne hat sein Griffknöpfchen verloren. Die Zeit hat ihn verwundet, doch die Kaffeekanne hat nichts von ihrem Charm verloren. Nicht zuletzt, weil sie eine Geschichte zu erzählen hat. Das Kaffeeservice wurde in Stoke on Trent, England, von W. T. Copeland im Dezember 1888/Jänner 1889 hergestellt und wurde nach Wien gebracht. Vielleicht war es einmal der ganze Stolz seines Besitzers. Die Zeit verging, Tassen gingen zu Bruch, das Milchkännchen begann zu tropfen und wurde entsorgt, zu guter Letzt kam das Design aus der Mode. Mittlerweile ungeliebt, wurden die verbleibenden Stücke einer wohltätigen Organisation für ihren Shop überlassen, wo sie von mir entdeckt und als Requisiten gekauft wurden. Des einen Müll, ist des anderen Schatz.

Feast! Spot the difference – 2

Fest! Finde den Unterschied – 2

Serendipidous coincidences are definitely part of the creative process. When I took the first photo in the series it was overcast but later in the day the sun came out and the light turned golden. As the day progressed it was interesting to observe how slight changes in the quality of light helped to create a mood. You will see …

Glückliche Zufälle gehören mit Sicherheit zum kreativen Prozess. Als ich das erste Bild der Serie aufnahm war es bewölkt, aber später kam die Sonne heraus und verlieh dem Licht einen goldenen Schimmer. Es war interessant zu beobachten, wie im Verlauf des Tages kleine Veränderungen in der Lichtqualität halfen, eine Stimmung zu erzeugen. Sie werden sehen …

Still life with sweet food and coffee-service. Phase 2. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice. Phase 2.

Feast! Spot the difference – 1

Fest! Finde den Unterschied – 1

Have you ever looked closely at 17th century still lifes and all that glorious food painted with deft brushstrokes? The culinary delights make my mouth water every time I encounter one of these paintings in a museum or book. If you prefer an intellectual puzzle instead of pure visual pleasure the painter´s choice of victuals can provide that too. Christian iconography seems to be all-encompassing. For example, fruit with small blemishes can be read as a hint that time stops for no one. But if you really need a reminder of the fleetingness of life look at the cheeses, hams and pies. Some artists must have returned to their larders time after time to pick up a particularly impressive wheel of cheese or the latest purchase of meat, when they received commissions in quick succession. Wedges are cut off cheeses. Hams turn grey. Pies dwindle in size and spill their stuffing onto the plate. And yet it seems to be the same foodstuffs, albeit slightly changed and in different paintings.

That gave me the idea for an experiment of my own. I decided to take pictures of a still life with sweet food in the process of being eaten. I made a cake, invited friends, composed a still life and got my camera ready. Tea was served in modern cups, we stuffed ourselves with cake and I played with my props intermittently.

How do small changes in the placement of objects affect the composition as a whole? Is it important to achieve visual ballance or is a haphazard distribution of things more striking? In the weeks to come I will show you some photos of the series and you will be able to decide for yourself.

Still life with sweet food and coffee-service. | Stilleben mit süßen Leckereien und Kaffeeservice.

Fest! Finde den Unterschied – 1

Haben Sie sich jemals das herrliche, mit geschicktem Pinselstrich festgehaltene Essen auf Stillleben des 17. Jahrhunderts genauer angesehen? Mir läuft jedes Mal, wenn ich eines dieser Gemälde in einem Museum oder Buch sehe, angesichts all der kulinarischen Köstlichkeiten das Wasser im Mund zusammen. Wenn Sie statt purem Augenschmaus ein intellektuelles Rätsel bevorzugen, können die vom Maler ausgewählten Lebensmittel auch dieses bieten. Die christliche Ikonographie ist allumfassend. Früchte mit kleinen fauligen Stellen und Flecken können zum Beispiel als Hinweis, dass die Zeit für niemanden still steht, gelesen werden. Aber wenn Sie wirklich daran erinnert werden müssen, wie flüchtig das Leben sein kann, schauen Sie sich die Käse, Schinken und Pasteten an. Einige Künstler dürften immer wieder in ihre Vorratskammer gegangen sein, um einen besonders stattlichen Käse oder das zuletzt gekaufte Fleisch ins Atelier zu holen, wenn die Aufträge für Bilder rasch aufeinander folgten. Vom Käse werden Stücke geschnitten, das Fleich wird grau. Pasten werden teilweise aufgegessen, sodass ihre Füllung auf den Teller fließt. Es scheint als handle es sich immer um dieselben Nahrungsmittel und Gerichte, auch wenn sie in leicht veränderter Darstellung auf unterschiedlichen Gemälden begegnen.

Das brachte mich auf eine Idee für ein eigenes Experiment. Ich beschloss ein Stillleben mit süßen Speisen zu fotografieren, während die Leckereien nach und nach aufgegessen werden – also einen fortschreitenden Prozess zu dokumentieren. Ich backte einen Kuchen, lud Freunde ein, komponierte ein Stillleben und brachte meine Kamera in Position. Tee wurde in modernen Tassen serviert, wir stopften uns mit Kuchen voll und ich spielte zwischendurch mit meinen Requisiten.

Wie beeinflussen geringfügige Änderungen in der Platzierung von Objekten die Gesamtkomposition? Ist es wichtig optische Ausgewogenheit zu schaffen oder sind mit willkührlichen Anordnungen der Dinge die besseren Effekte zu erzielen? In den folgenden Wochen werde ich Ihnen einige Fotos aus der Serie zeigen und sie können sich eine eigene Meinung bilden.