In search of inspiration

Auf der Suche nach Inspiration

Time flies and May is almost over, so let us celebrate the end of the month with a seasonal bug, the cockchafer, in German Maikäfer. I have not seen one in nature for ages, but I own a beautiful fragment of a wall chart explaining the physique of the Maikäfer. Once used to teach children it is currently on display as part of an inspiration board. As you can see, I glued about ten scraps together and filled the gaps with Japanese paper. These battered remnants of a torn wall chart were initially destined for the recycling bin. (The Viennese collect waste-paper assiduously) I asked politely and received them as a gift.

A miracle of nature: Look at those wings! Regrettably I still have not found out what the whole wall chart looked like. | Ein Wunder der Natur: Sehen Sie sich nur die Flügel an! Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie die vollständige Schulwandtafel aussah.

I use two upcycled picture frames as inspiration/mood boards. One is a constantly changing haphazard mishmash of scrap paper, postcards, photos, swatches and whatever takes my fancy at the moment. The other pin board, shown here, develops more slowly. It is at heart an accumulation of things I cherish or keep for reference. Sooner or later one of these objects will serve as inspiration for a book project or story – or has already done so, e. g. the strip of folded paper on the far left. The aeroplane is a prototype for a pop-up in a book I have not shown you yet.

The state of the inspiration board at present. If you want to learn how to fold paper, the book „Folding Techniques for Designers“ by Paul Jackson is an excellent starting point. | Der derzeitige Zustand der Pinnwand. Um das Falten von Papier zu erlernen, ist das Buch „Von der Fläche zur Form“ von Paul Jackson ein guter Ausgangspunkt.

Auf der Suche nach Inspiration

Wie die Zeit vergeht! Der Mai ist schon fast vorbei, da muss doch noch schnell der Käfer des Monats gefeiert werden. Ich spreche natürlich vom Maikäfer. In der Natur habe ich seit einer Ewigkeit keinen mehr gesehen, doch ich besitze ein wunderbares Fragment einer Schulwandtafel, das den Körperbau des Maikäfers erklärt. Das einstige Lehrmittel schmückt derzeit eine meiner Pinnwände. Wie Sie sehen können, habe ich etwa zehn Teile wieder zusammengeklebt und die Fehlstellen mit Japanpapier hinterlegt. Ursprünglich waren diese stark mitgenommenen Überbleibsel einer total zerfetzten Wandtafel für das Altpapier bestimmt, das die Wiener fleissig sammeln. Auf höfliche Nachfrage erhielt ich sie als Geschenk.

Als inspiration/mood boards verwende ich zwei alte Bilderrahmen, die ich zu Pinnwänden umgestaltet habe. Eine ändert sich ständig und ist ein zufälliges Durcheinander aus Altpapier, Postkarten, Fotos, Musterfleckerln und Dingen, die mir gerade gefallen. Die zweite, hier gezeigte, entwickelt sich langsamer. Im Grunde landen auf ihr Dinge, die ich besonders mag oder die ich als Referenzstücke brauche. Früher oder später wird mich eines dieser Objekte zu einem Buch oder einer Geschichte inspirieren – einige haben es schon getan, wie z. B. der gefaltete Papierstreifen links unten. Das Flugzeug ist ein Prototyp eines Pop-ups für ein Buch, das ich Ihnen noch nicht gezeigt habe.

Fair Iris

Die schöne Iris

Irisis are in full bloom and what a gorgeous sight they are! Yesterday I passed some magnificent specimens on one of my infrequent long walks. I used to buy bunches of Iris at a local farmer´s market, but this year I don´t want to brave the crowds. So I turned to my archive instead.

The iris is an amazingly photogenic flower. Aptly named after the greek godess Iris, who descended on the rainbow to earth taking messages from the gods to mankind, the showy flower boasts a multitude of colours, as you well know. Although I am a glutton for colour, that is not the characteristic I find most attractive. To me the structure of the flower and the elegant curves of the petals are far more intriguing. Irisis retain a sculptural quality even when they wither and their petals turn slightly transparent showing off the delicacy of their veins, furl and finally shrink.

Die schöne Iris

In Wien blühen die Iris und geben einen wahrhaft großartigen Anblick ab! Gestern bin ich auf einem meiner seltenen langen Spaziergänge an einigen außergewöhnlich prächtigen Exemplaren vorbeigekommen. Früher habe ich mich um diese Zeit immer am Bauernmarkt mit Irissträußen eingedeckt, aber heuer möchte ich mich dafür nicht ins Gewühl stürzen. Also habe ich stattdessen mein Bildarchiv durchforstet.

Die Iris ist schon eine erstaunlich photogene Pflanze. Benannt nach der griechischen Göttin Iris, die am Regenbogen herabstieg, um den Menschen Nachrichten der Götter zu bringen, erstrahlt die auffällige Blume in einer Vielzahl an Farben, aber das wissen Sie ja. Das ist für mich aber nicht ihr interessantestes Merkmal, obwohl ich von Farben nicht genug bekommen kann. Ich finde die Struktur der Blüte und die eleganten Kurven der Blütenblätter weitaus faszinierender. Eine Iris behält sogar ihre skulpturale Qualität wenn sie verwelkt und dabei ihre leicht transparent gewordenen Blütenblätter die delikaten Adern sichtbar werden lassen, sich einrollen und schließlich schrumpfen.

Lebenshungrige Textfische

Fun-loving Textfish

Manche Textfische können der Verlockung des Anderen einfach nicht widerstehen. Sie dürsten nach Ideen, Geschichten und neuen Erfahrungen. Da sie aufgeschlossen und tolerant sind, stehen die meisten Textfische Experimenten nicht abgeneigt gegenüber.

Textfische auf der Suche nach Vergnügen und Abenteuer schwimmen an die geheimnisvolle Grenze des Textmeeres, wo die Membran zwischen Realität und Fiktion dünn und durchlässig ist. Audio-Junkies lauschen in den berüchtigten Whisperbars den Gedanken menschlicher Schriftsteller. Flossenfesteres bieten die Strichpunkt-Clubs. Offiziell gegründet, um den Dialog zwischen den Gattungen zu fördern, haben sich diese Etablissements auf erotische Begegnungen der besonderen Art spezialisiert. Nachwuchs wird liebevoll in Ligaturen-Camps aufgezogen.

Chapter 7. | Das siebte Kapitel.
Need help cutting cables? | Brauchst du Hilfe beim abknipsen der Kabel?
Oh, I can swim just as fast as you. | Oh, ich kann genauso schnell schwimmen wie du.
Of course I can purifiy water with my horn. | Na klar, kann ich mit meinem Horn Wasser entgiften.

Fun-loving Textfish

Some Textfish cannot resist the lure of the other. They are hungry for ideas, stories and new experiences. Open minded and tolerant, most Textfish are not at all averse to experimentation.

Textfish in search of pleasure and adventure swim to the mystical border of the Textsea. Here the membrane between reality and fiction is thin and permeable. In the notorious Whisperbars Audio-Junkies listen to the thoughts of human writers. Semicolon-Clubs offer fins-on-experiences. Officially founded to further the dialogue between species, over time these establishments have specialized in all kinds of erotic encounters. Progeny is raised with loving care in Ligature-Camps.

Nützlich bis in den Tod

Forever useful

Wenn Herbarien wie die Sammlungen der fiktiven Textfische wundersame Fähigkeiten hätten, würden sich dann mehr Menschen für Pflanzen und ihr Wohlergehen interessieren? Oder wäre damit nur eine weitere Möglichkeit gefunden, die Natur rücksichtslos auszubeuten? Hier ist das sechste Kapitel des Buches „Textfisch“.

Von Zeit zu Zeit werden Textfische an Land gespült. Ein lebendes Exemplar zu finden, soll Glück bringen. Tote Textfische verleihen angeblich die Gabe mit Worten manipulieren zu können. Behutsam getrocknet und gepresst, nehmen sie die Form von Scherenschnitten an. Der Besitz eines auf diese Art konservierten Textfisches wird meist geheim gehalten. Finder und ihre Familien hüten sie wie einen Schatz und geben sie von Generation zu Generation weiter. Zu kostbaren Büchern gebundene Textfisch-Sammlungen tauchen daher nur selten am Kunstmarkt auf.

Chapter 6. | Das sechste Kapitel.
Dead Textfisch, pressed and mounted. „What happened to me?“, its surprised expression implies. | Toter Textfisch, gepresst und aufkaschiert. „Was hat man mir angetan?“, scheint sein Gesichtsausdruck zu sagen.
„No, no, don´t step on me!“ Squish. Too late. | „Nein, nein, nicht auf mich treten!“ Stampf. Zu spät.
He wouldn´t have dreamt to end up as part of an piscisarium. | Nicht im Traum hätte er daran gedacht, in einem Piscisariumzu enden.

Forever useful

If herbaria, like collections of fictitious textfish, were to bestow wondrous powers, would more people be interested in plants and their wellbeing? Or would it just mean another opportunity to exploit nature ruthlessly? Here is chapter 6 of the book „Textfisch“.

From time to time Textfish are beached. To find a living specimen is said to bring luck. Dead Textfish, however, purportedly confer the gift to manipulate with words. Dried with care and pressed, they take on the appearance of paper cuts. Ownership of a textfish conserved in this way is usually kept secret. Finders and their families guard them like treasure and pass them down from one generation to the next. Collections of Textfish bound as precious books are therefore only seldom traded on the art market.

Welker Buchstabensalat

Withered Word Salad

Bücher sind aus meinem Leben nicht wegzudenken. Am liebsten würde ich in einer Bibliothek wohnen. Wenn ich spaßhalber als Gedankenspielerei Häuser entwerfe, ist das Herzstück immer ein Raum für Bücher mit Regalen aus schönem alten Holz, gemütlichen Sofas und einem riesigen Arbeitstisch. Natürlich darf auch ein geräumiger Papierkorb nicht fehlen, in dem überarbeitete Manuskriptseiten, verworfene Notizzettel und Papierreste von Buchkunst-Projekten langsam eine Stratigrafie der Ideen und Experimente bilden. Als Wissenschaftlerin, die nicht nur schreibt sondern auch so manches Buchprojekt grafisch vom Entwurf bis zum druckreifen PDF gebracht hat, kann ich ein Lied davon singen, wieviele Versionen und Ausdrucke eines Textes schlussendlich ins Altpapier wandern. Mir hat die englische Bezeichnung „foul matter“ für nicht mehr gebrauchte Manuskripte schon immer gut gefallen. In dem Buch „Textfisch“ bekommt diese faule Materie eine neue Bedeutung und Dimension:

In toten Sprachen verfasste Texte und altmodische Worte sinken auf den Grund des Textmeeres. In diesen tintigen Tiefen leben die Aasfresser und die großen Räuber unter den Textfischen Seite an Seite. Beim schwachen Schein ihrer Leuchtorgane durchsuchen die einen die zähen Ablagerungen der verrottenden Worte nach Nahrung, während die anderen mit zu Buchstaben geformten, leuchtenden Auswüchsen ihre ahnungslose Beute anlocken. Die von diesen unsauberen Essern gern gesehenen Leerzeichen-Putzerfische signalisieren ihre Dienstbereitschaft mit sanft pulsierenden Leuchtpunkten.

Chapter 5. | Das fünfte Kapitel.
Come hither and get eaten: Glowing letters as bait. | Komm und lass dich fressen: Leuchtende Buchstaben als Köder.
Don´t mess with me, I´ ve got teeth! | Leg dich nicht mit mir an, ich habe Zähne!
Would you like to be groomed by me? | Soll ich dich putzen?

Withered Word Salad

Books habe accompanied me all my life. Given the opportunity I would choose to live in a library. A room furnished with dark wooden bookcases, comfortable sofas and a huge worktable always lies at the heart of houses I design in my mind for fun. A capacious waste paper basket is a necessity, too. In it edited manuscript pages, notes and paper cut-offs left from book arts projects slowly build a stratigraphy of ideas and experiments. As a researcher and graphic designer I know from experience how many edited/revised print-outs of a text or layout end up as wastepaper. I have always liked the english term „foul matter“ for all the stuff that has been superseded by the published book. In my book „Textfisch“ its definition is given a new meaning and dimension:

Texts written in dead languages and words, that have fallen out of fashion, sink to the bottom of the Wordsea. In these ink-dark dephts scavengers and the largest predators among textfish live side by side. The former sift through the treakly deposits of rotting words by the weak bioluminescence of their light organs while the latter try to attract their unsuspecting prey with glowing letter-shaped excrescences. Blankspace-Cleanerfish, who signal their services with slowly pulsing light dots, are seen as welcome guests by any untidy eater.

Vom Haiku zur Zeichensprache

From Haiku to Sign Language

Meine Bewunderung für Buchmalerei ist grenzenlos, nicht zuletzt wegen der fantasievollen Randgestaltungen und Initialen. Ich liebe die kräftigen Farben und drolligen Details, den Horror vacui und die Pracht. Also beschloss ich, ein Kapitel des Buches „Textfisch“ in Gouache zu malen.

Wird instant letters dem Wasser kleiner Teiche beigemengt, verleiht es Goldfischen die Gabe Haikus zu dichten. Besucher der Erlebniswelt Lost Arts bedienten sich Ohrtrompeten, um dieser Unterwasserlyrik zu lauschen. Dem exotischen Vergnügen wurde durch ein Fischsterben ein jähes Ende bereitet, nachdem sich ein des Plagiats beschuldigter Dichter im Teich ertränkt hatte. Die überlebenden Goldfische gingen zum Bedauern der Geschäftsleitung dazu über, eine Flossensprache zu entwickeln, die bis heute nicht entschlüsselt werden konnte.

Chapter 4. | Das vierte Kapitel.
Even beetles liked the goldfish´s poems. | Sogar die Wasserkäfer lauschten den Gedichten der Goldfische gerne.
Not another suicidal human, please! | Nicht noch ein selbstmordgefährdeter Mensch, bitte!
Sign language using fins is difficult. | Zeichensprache ist mit Flossen schwierig.

From Haiku to Sign Language

My admiration for illuminated manuscripts knows no bounds, not least because their borders are a space for fantasy. I love the brilliant colours and quirky details, the horror vacui and splendor. Therefore I decided to paint one chapter of the book „Textfisch“ in gouache.

Add instant letters to the water of small ponds and it enables goldfish to talk haikus. Visitors to the theme park Lost Arts were given eartrumpets to listen to this unterwater-poetry. The suicide of a poet accused of plagiarism and the subsequent death of almost all fish put a sudden end to this exotic pleasure. To the infinite regret of the management the surviving goldfish began to develop a sign language using their fins, which has not been decoded so far.

Buchstabensuppe

Alphabet Soup

Ich mag Naturkundebücher, besonders sehr alte Exemplare mit hervorragend gezeichneten und gemalten Abbildungen. Deren knappe Texte, die Basisinformationen zu Tier oder Pflanze vermitteln, haben mich für manches Kapitel meines Buches „Textfisch“ inspiriert.

Textfische ernähren sich von Buchstaben. Gotische Lettern sind ein Leckerbissen, dem sie nur schwer widerstehen können. Fischer verwenden diese altmodischen Schriftzeichen daher gerne als Köder. Doch im Allgemeinen sind Textfische bezüglich der Schriftart nicht wählerisch. Als Ausnahme gelten die Bewohner der Calligraphy Bay, die ausschließlich Handschriftliches zu sich nehmen. In Regionen mit geringer Satzdichte, fern der üppigen Textfelder, jagen Textfische in Gruppen. Dabei isolieren sie Worte und verspeisen deren abgetrennte Anfangs- und Endbuchstaben.

Chapter 3 | Das dritte Kapitel.
Textfish in search of nourishment. | Textfische auf Nahrungssuche.
Textfish tempted by a Gothic letter. | Gleich hängt er am Haken.
Can Textfish read? | Können Textfische lesen?

Alphabet Soup

I am a big fan of books on natural science. Old tomes with excellent drawings and paintings in particuar. Somehow the short paragraphs giving basic information about animals and plants in books of nature served as inspiration for some chapters of my book „Textfisch“.

Textfish feed on letters. Gothic characters are a favourite morsel they can hardly resist. Small wonder that fishermen use oldfashioned type as bait. But in general Textfish are not particularly fastidious when it comes to food – with the exception of the inhabitants of Calligraphy Bay. They only eat letters written by hand. In regions with low sentence density, far from the luxuriant textfields, Textfish hunt in packs. First they isolate words, then they feast on their severed first and last letters.

Ein begehrtes Elixier

A coveted elixir

Das Buch „Textfisch“ war eine wunderbare Spielwiese, um verschiedene Techniken und Materialien auszuprobieren. Für die Literatenfische habe ich alte Buchseiten und als Hintergrund Papier, das ich in einem Geschäft im chinesischen Viertel von Toronto gekauft habe, verwendet.

Englischen Wissenschaftlern ist es gelungen, die Essenz des Textmeeres zu destillieren und als instant letters erfolgreich auf den Markt zu bringen. Trotz seines hohen Preises ist das Produkt bei Aquarianern sehr beliebt, da es die Lebensspanne der seltenen Literatenfische, einer Unterart des Textfisches, in Gefangenschaft erheblich verlängert. Bemühungen ein Konzentrat aus nummerologischem Schlamm zu gewinnen, sind bislang gescheitert.

Das nächste Mal: Die Ernährungsgewohnheiten der Textfische.

Chapter 2. Handlettering on a chocolate wrapper. | Das zweite Kapitel, von Hand auf Einwickelpapier einer Schokoladepraline geschrieben.
Textfish discussing new ideas. | Textfisch, die über neue Ideen diskutieren.
Feed us! The pop-eyed „Leichtsinnige“ is my favourite. | Füttere uns! Der glubschäugige „Leichtsinnige“ ist mein Favorit.
Hurry, hurry, don´t let the tasty morsels sink to the sea-bottom. | Schnell, schnell, bevor die Leckerli am Meeresgrund landen.

A coveted elixir

The book „Textfisch“ proved to be a marvelous playground to try out new techniques and materials. I used pages of an old book for the Literatifish and paper I bought in Toronto´s China Town for the background.

English scientists succeeded in distilling the essence of the Textsea, subsequently successfully released on the market as instant letters. Owners of aquariums love the product despite its high price, because it lengthens the life expectancy of the rare Literatifish, a subspecies of the Textfish, in captivity. Efforts to extract a concentrate from nummerological mud have failed so far.

Next time: What Textfisch eat.

Ein überraschender Fund

An unexpected find

So viel Zeit wie dieses Jahr habe ich noch nie für den Frühjahrsputz aufgewendet. Das kommt davon, wenn man dazu aufgefordert wird, zu Hause zu bleiben. Kein Regalbrett war zu hoch angebracht, keine Staubschicht zu dick. Unerschrocken arbeitete ich mich in Ecken vor, die jahrelang unbehelligt geblieben waren. Sie können sich vielleicht die Freude vorstellen, als ich dabei auf ein Buch stieß, das ich vor rund zehn Jahren schrieb und illustrierte. Es erzählt die Geschichte einer erfundenen Fischart, den Textfischen.

Das Buch „Textfisch“ ist ein Einzelstück, das sieben Kapitel zu je fünf Seiten umfasst. Ich habe hauptsächlich auf Einwickelpapier von Schokoladepralinen geschrieben/gezeichnet (die gleiche Sorte, die auch für das „Tulpenbuch“ Verwendung fand). In den kommenden Wochen werde ich die Geschichte in sechs weiteren Blogbeiträgen erzählen. Hier ist zunächst einmal das erste Kapitel:

Das Zeitalter der Langeweile wurde durch die Wortflut beendet. Als diese langsam versiegte, blieb das Textmeer zurück. In seinen unendlichen Weiten leben die – heute durch eine im Zuge der Erschließung der Bildwelten eingeschleppte Viruserkrankung, Pixeliose, bedrohten – Textfische. Mit Ausnahme der Unterart des „Comedyfish“ handelt es sich um scheue Tiere, die zu Fremden nur langsam vertrauen fassen.

The book „Textfisch“ in its box. | Das Buch „Textfisch“ in seiner Schachtel.
When working with reused paper often Japanese binding is the ideal choice. | Das Buch auf Japanische Art zu binden ist oft die beste Lösung, wenn man mit Altpapier arbeitet.
I used chocolate wrappers for the pages of the book. | Großteils habe ich für die Seiten des Buches Einwickelpapier von Schokoladepralinen verwendet.
Chapter 1. | Das erste Kapitel.
A Textfish on the run. | Ein Textfisch auf der Flucht.
Curiosity won, a Textfish bashfully meets the reader´s gaze. | Die Neugier hat gesiegt, ein Textfisch späht schüchtern aus der Seite.

An unexpected find

Due to circumstance I have spent more time than usual spring cleaning. No shelf was too high, no layer of dust too deep. Undaunted I poked into places I have not looked at for years. Imagine my delight when I unearthed a book I wrote and illustrated ten years ago. In it I tell the story of a fictional species of fish, the Textfisch.

The book „Textfisch“ is a one off comprising seven chapters at five pages each. I wrote/drew mostly on chocolate wrappers (the same kind I used for „Tulpenbuch„). In the coming weeks I will retell the story, originally written in German, in six more blogposts. Here is the first chapter:

The Time of Boredom was brought to an end by the Wordflood. After the flood receded only the Textsee was left. In its infinite dephts live the Textfish – an endangered species, due to a virus, pixeliosis, spread in the course of the exploration of the World of Pictures. With the exception of the subspecies „Comedyfish“ they are shy creatures, who do not trust strangers easliy.

Colour Bliss #7

Colour Bliss #7

Happiness comes in a cellophane bag. Vienna has an abundance of old fashioned shops selling sweets and chocolates. I would go so far as to say they are part of the city´s cultural heritage. A couple of weeks ago I was standing in one such establishment, paying tribute to the tooth fairy, when it occured to me, that the tempting merchandize – rich in calories, yet irresistible – could serve as inspiration for a colour palette. I let my gaze wander until it came to rest upon Wiener Seidenzuckerln, a lovely concoction of crunchy hazelnut flavoured filling and thick striped sugar coating with a tempting silken sheen. Apart from the visual pleasure Seidenzuckerl give when placed in delicate glass bowls and jars, the sweets are quite delicious.

Happy with my purchase I trotted home, sorted the sweets according to shape/colour scheme, piled them up and took pictures. Out came the yarn stash and a colour palette was wound in a jiffy.

A pile of Seidenzuckerl and the coulour palette they inspired. | Seidenzuckerl und die von ihnen inspirierte Farbkarte.

The pastel shades reminded me of spring flowers and sunny days spent far from the boredom of daily toil. Both are hard to get in real life these days, so off I went for a romp through my archive in search of blooms and holiday snaps. Here is my attempt to spread a little joy:

A peony in full bloom. Meringue with pastel stripes. | Eine voll erblühte Päone. Windbäckerei mit pastellfarbenen Streifen.
Mini-Marshmallows. A detail from the portal of Sant Andrea, Mantua. | Winzige Marshmallows. Ein Detail des Portals von Sant Andrea, Mantua.
Murano glass vases from the thirties cast pretty shadows. Sweets, still untouched. | Vasen aus Muranoglas werfen hübsche Schatten. Noch verpackte Bonbons.
Sugar coated almonds and lemon jelly. The floor mosaik in the foyer of MSK, Gent. | Mit Zuckerglasur überzogene Mandeln und Zitronengelee. Das Fußbodenmosaik in der Vorhalle des MSK, Gent.

Colour Bliss #7

Das Glück kommt im Zellophansackerl. In Wien gibt es noch viele altmodische Geschäfte, die Bonbons, Schokolade und andere Süssigkeiten verkaufen. Ich möchte fast sagen, sie sind ein Teil des Kulturerbes der Stadt. Vor ein paar Wochen stand ich in einem dieser Läden und huldigte der Zahnfee. Da kam mir plötzlich der Gedanke, dass die verlockende Ware – reich an Kalorien und doch unwiderstehlich – als Inspiration für eine Farbkarte dienen könnte. Ich ließ meinen Blick schweifen, bis er auf Wiener Seidenzuckerln zur Ruhe kam. In ihrer klassischen Form bestehen diese aus einer Füllung mit Haselnussgeschmack in einer seidig glänzenden, gestreiften Zuckerhülle. Seidenzuckerl sind wirklich köstlich und sehen in zarten Glasgefäßen aufbewahrt auch ausgesprochen hübsch aus.

Glücklich trabte ich mit meinem Einkauf nach Hause, sortierte die Zuckerl nach Form und Farbe, häufte sie auf und schoss einige Fotos. Mein Wollvorrat war schnell hervorgekramt und die Farbkarte im Nu gewickelt.

Die Pasteltöne erinnerten mich an Frühlingsblumen und sonnige Tagen fernab der täglichen langweiligen Mühsahl. Im wirklichen Leben ist derzeit beides schwer zu bekommen. Also begab ich mich auf eine Reise durch mein Bildarchiv, um Fotos von Blüten und Urlaubsschnappschüsse zu finden. Hier ist mein Versuch ein wenig Freude zu verbreiten.